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Iran als Spionageakteur: Spionageabwehr und Cyberabwehr sensibilisieren deutsche Hochschulen bei deren internationaler wissenschaftlicher Kooperation

BfV-Newsletter Nr. 3/2019 - Thema 8

Im Juni 2019 veranstaltete die Internationale Akademie (iDA) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes e.V. (DAAD) in Bonn ein Seminar zum Thema „Sicherheitsaspekte in der Hochschulkooperation mit Krisenländern“. Vertreter der Spionageabwehr und der Cyberabwehr des BfV hatten in diesem Rahmen die Gelegenheit, Angehörige deutscher Hochschulen für mögliche Risiken bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Einrichtungen in der Islamischen Republik Iran zu sensibilisieren.

Viele deutsche Hochschulen sind auch in Krisenländern und Konfliktregionen wie dem Iran tätig. Da deutsche Wissenschaftseinrichtungen auch stets die Sicherheit ihrer Studierenden und Lehrenden gewährleisten müssen, stießen die Vorträge des BfV auf reges Interesse.

Der DAAD unterstützt mit seinen Förderprogrammen zahlreiche deutsche Teilnehmer, die sich im Iran aufhalten. In Teheran ist der DAAD mit einem eigenen Büro präsent. Kultur- und Bildungsarbeit wird jedoch von den iranischen Sicherheitsbehörden häufig als Versuch bewertet, die ideologischen Grundlagen der Islamischen Republik Iran zu unterhöhlen und eine „samtene Revolution“ zu initiieren. Vertreter westlicher Forschungseinrichtungen stehen daher im Fokus des dortigen Sicherheitsapparats.

Exemplarisch für mögliche Risiken stellten die BfV-Vertreter den teilnehmenden Multiplikatoren dar, mit welcher Methodik der iranische In- und Auslandsnachrichtendienst Ministry of Intelligence (MOIS) gegen deutsche Einrichtungen und Staatsbürger im Iran vorgeht. Zudem wurden die Zuhörer über die Gefahren informiert, die von iranischen Cyberakteuren ausgehen.

So wurde den Zuhörern anhand verschiedener konkreter Fallbeispiele deutlich gemacht, über welche Möglichkeiten der iranische Nachrichtendienst verfügt. Eine Aufklärung und erste Anbahnung eines deutschen Wissenschaftlers kann beispielsweise bereits vor Einreise in den Iran im Rahmen der Beantragung eines Visums erfolgen, da das MOIS über Zugänge in der iranischen Botschaft in Berlin verfügt. Im Iran kann dann auf Grundlage der zuvor gewonnenen Informationen unmittelbar Druck auf diese Zielperson ausgeübt werden, um sie zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Die Cyberabwehr skizzierte unter anderem denkbare Szenarien eines staatlichen iranischen Zugriffs auf IT-Geräte, wie beispielsweise durch die Beschlagnahme von Mobiltelefonen. Zu ungewolltem Datenverlust an iranische Stellen kann es aber auch kommen, wenn deutsche Wissenschaftler ungesicherte Netze nutzen oder Spear-Phishing-E-Mails öffnen beziehungsweise manipulierte Webseiten aufrufen. Am Beispiel einer iranischen Cybergruppierung, die unter anderem als „Mabna Institute“ bekannt ist, konnten das konkrete Gefährdungspotenzial sowie die Vorgehensweise von Cyberakteuren gezeigt werden. Die Aktivitäten des „Mabna Institute“ richteten sich im Jahr 2018 unter anderem gegen deutsche Wissenschaftseinrichtungen, was den Fall gerade für Lehrende und Forschende relevant macht.

Schließlich gaben die Mitarbeiter des BfV den Teilnehmern aus dem Wissenschaftsbetrieb konkrete Empfehlungen für einen Aufenthalt im Iran an die Hand. Generell sei es beispielsweise ratsam, durch die Beachtung dort geltender Vorschriften wenig „Angriffsfläche“ zu bieten. Auch sollten beispielsweise Apps oder Programme nur aus vertrauenswürdigen Quellen installiert werden.

Bei auffälligen Vorkommnissen stehen für Angehörige deutscher Hochschulen, die zeitweise im Ausland tätig sind, sowohl die jeweilige Deutsche Botschaft wie auch – nach der Rückkehr nach Deutschland – die Spionageabwehr des BfV als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: November 2019

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