Blaues Newsletter-Icon auf einer Tastatur

Ideologische Konflikte in der IS-Propaganda

BfV-Newsletter Nr. 1/2019 - Thema 7

Nachdem sich die Propaganda der Unterstützer­szene des „Islamischen Staates“ (IS) lange Zeit weitgehend homogen darstellte, zeigen sich seit einigen Monaten zunehmend offen Hinweise auf interne ideologische Auseinander­setzungen, die anscheinend bis in das Propaganda­zentrum des IS hineinreichen.

So erklärte der IS im August 2018, dass ab sofort nur noch über offizielle Kanäle des IS verbreitete Texte, Videos und Audios dem IS zugerechnet werden dürften. Die Weiter­verbreitung von Materialien über inoffizielle Kanäle, für die sich der IS nicht länger verantwortlich sehe, solle daher unterbleiben. Die mutmaßlichen Hinter­gründe dieser Verlaut­barung wurden erst Ende November 2018 deutlich, als in der IS-Unterstützer­szene ein Streit über die angeblichen Todes­umstände des österreichischen Jihadisten Mohamed Mahmoud entbrannte und Details eines internen ideologischen Konflikts zutage förderte. Mahmoud war einer der aktivsten und bekanntesten Propagandisten der deutsch­sprachigen jihadistischen Szene. Er war Anführer der vom Bundesminister des Innern am 29. Mai 2012 verbotenen salafistischen Organisation „Millatu Ibrahim“.

Die IS-nahe, mittlerweile jedoch kritische Medienstelle „al-Turath al-Ilmi“ meldete, dass der IS-Kämpfer Mahmoud bei der Bombardierung eines IS-Gefängnisses in Syrien ums Leben gekommen sei. Mit der Meldung wurde gleichzeitig der Vorwurf erhoben, die IS-Sicherheit habe diesen und andere IS-Anhänger mit Absicht im Gefängnis festgehalten, um sie der Bombardierung durch die alliierten Streit­kräfte auszusetzen. Ziel sei es gewesen, eine Gruppe kritischer IS-Anhänger auszuschalten.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte die Medienstelle weitere IS-interne Dokumente, die tiefere Einblicke in den ideologischen Konflikt innerhalb des IS gewähren. Dabei ist von der Echtheit der Dokumente auszugehen, da der IS den Konflikt selbst bestätigt und auch die provozierenden Dokumente nicht dementiert. Aus den Dokumenten, die teilweise schon vorher verfasst wurden, aber erst später weitere Verbreitung gefunden haben, geht hervor, dass eine Fraktion von Gelehrten innerhalb des IS spätestens seit Februar 2017 wachsende Kritik an der IS-Führung übte. Es handelte sich um einen massiven Konflikt zwischen der Leitung des Propaganda­zentrums und einer Gruppe von etwa 40 im Zentrum beschäftigten Gelehrten, welche die ideologische Ausrichtung des Propaganda­zentrums kritisierten. Da sich der Konflikt weiter zuspitzte, wurden die Kritiker durch die IS-Sicherheit im Juli 2018 zunächst unter Beobachtung gestellt und einige von ihnen schließlich inhaftiert.

Die Meldung über die Tötung Mahmouds und anderer IS-Gefangener im Zuge des Bomben­angriffs löste unterschiedliche Reaktionen unter den IS-Anhängern aus. Während manche Medien­stellen, wie die genannte „al-Turath al-Ilmi“, weiter den IS provozierende Texte und Meldungen verbreiten und mit diesen Vorstößen auf Befürworter stoßen, ergreifen andere IS-Anhänger Partei für die IS-Führung und beginnen, weitere IS-nahe Medien­stellen und Einzel­nutzer anzugreifen. Der Konflikt hat zur Folge, dass zahlreiche bislang aktive IS-nahe Medien­stellen wie „al-Turath al-Ilmi“ von Teilen der IS-Unterstützer­szene stigmatisiert und als nicht mehr vertrauens­würdig angesehen werden. Einige dieser Medien­stellen sind in der Vergangen­heit durch die Produktion und Verbreitung zahlreicher Drohbilder mit expliziten Aufrufen zu Anschlägen im Westen hervorgetreten. Dieser Konflikt hat bisher allerdings nicht zu einer merklichen Schwächung der Propaganda der IS-Unterstützer­szene geführt. Alle Propaganda­bereiche bleiben unverändert produktiv, sodass bislang keine veränderten Auswirkungen auf die von der IS-Propaganda ausgehende Bedrohung festzustellen sind.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis des BfV-Newsletters Nr. 1/2019

Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: April 2019

Druckansicht

Gebäude 1

Hinweistelefon „Rechtsextremismus/ -terrorismus, Reichsbürger und Selbstverwalter“ (RechtsEX) 0221/792-3344

Hinweistelefon „Rechtsextremismus/ -terrorismus, Reichsbürger und Selbstverwalter“ (RechtsEX) 0221/792-3344

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366
  • Gemeinsam stark für unsere Sicherheit Details
  • Güvenliğimiz İçin Hep Beraber Daha Güçlüyüz Ayrıntılar
  • لندافع سويا وبصورة قوية عن أمننا وسلامتنا التفاصيل

Publikationen

Verfassungs­schutz­bericht Niedersachsen 2018

Verfassungs­schutz­bericht Niedersachsen 2018

Stand: November 2019
Weitere Informationen
Verfassungsschutz­bericht 2018

Verfassungsschutz­bericht 2018

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download PDF-Datei
Verfassungsschutz­bericht 2017

Verfassungsschutz­bericht 2017

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download PDF-Datei
Verfassungsschutzbericht 2016

Verfassungsschutzbericht 2016

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download PDF-Datei
Verfassungsschutz­bericht 2018, Fakten und Tendenzen (Kurz­zusammen­fassung)

Verfassungsschutz­bericht 2018, Fakten und Tendenzen (Kurz­zusammen­fassung)

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen Download PDF-Datei
Sachsen-Anhalt: Kennzeichen des Rechtsextremismus

Sachsen-Anhalt: Kennzeichen des Rechtsextremismus

Stand: Januar 2020
Weitere Informationen
Kümmerer vor Ort? Rechtsextremistische Kleinparteien und ihr vermeintliches soziales Engagement

Kümmerer vor Ort? Rechtsextremistische Kleinparteien und ihr vermeintliches soziales Engagement

Stand: Oktober 2019
Weitere Informationen Download PDF-Datei
Verfassungsschutzbericht Hessen 2018

Verfassungsschutzbericht Hessen 2018

Stand: September 2019
Weitere Informationen
Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2018

Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2018

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen