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BfV-Newsletter Nr. 4/2017 - Thema 3

Rechtsextremistische Kampfsportveranstaltung in Kirchhundem

Am 14. Oktober 2017 fand erneut die rechtsextremistische Kampfsportveranstaltung „Kampf der Nibelungen“ in Kirchhundem (Nordrhein-Westfalen) statt, an der rund 500 Personen teilnahmen. Das als geschlossene Veranstaltung deklarierte Event war seit Ende vergangenen Jahres insbesondere in den sozialen Netzwerken beworben worden. Nach Angaben des Veranstalters war der „Kampf der Nibelungen“ seit mehreren Wochen ausverkauft. Unter den Teilnehmern befanden sich Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Bulgarien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Russland. Die Veranstaltung war äußerst konspirativ und professionell organisiert worden.

Die Schützenhalle in Kirchhundem war unter Vorgabe einer privaten Boxsport­veranstaltung angemietet worden, bei der es sich um einen vereinsinternen Wettkampf mit Vereinsmitgliedern und deren Angehörigen handeln sollte. Die Halle erfüllte die für die anwesende Personenzahl notwendigen Voraussetzungen und Bestimmungen, etwa hinsichtlich des Brandschutzes. Zudem verhielt sich der Veranstalter kooperativ und gewährte der Polizei Zutritt, sodass die polizeiliche Einsatzleitung rechtlich keine Möglichkeit sah, die Veranstaltung vorzeitig zu beenden. Bei der Abreise wurden seitens der Polizei Fahrzeugkontrollen durchgeführt.

Der „Kampf der Nibelungen“ fand bereits zum fünften Mal in Folge und in diesem Jahr mit dem bislang stärksten Zulauf statt. Die Veranstaltung wird sowohl auf Seiten der Kämpfer als auch der Besucher unter ausschließlicher Beteiligung von Rechts­extremisten durchgeführt. Den Organisatoren zufolge ist sie als ausdrückliche Gegenveranstaltung zu anderen unpolitischen „Fight Nights“ konzipiert; denn im Gegensatz zu diesen verstehen sie den „Kampf der Nibelungen“ nicht als „Teil eines faulenden politischen Systems“, sondern als „fundamentales Element einer Alternative zu eben jenem“. Das Event solle daher allen Sportlern und Sportbegeisterten, die sich nach einer „Alternative zum vorherrschenden ehr- und wertelosen Zeitgeist“ sehnen, eine Bühne bieten und dazu animieren, dem „System der Versager, der Heuchler und der Schwächlinge den Rücken zu kehren“.

Im Jahr 2016 war die Veranstaltung in Gemünden (Hessen) durchgeführt worden. Auch in diesem Jahr hatten die Organisatoren im Vorfeld über eine eigene Website und insbesondere über Facebook massiv mobilisiert. Als Sponsoren der Veranstaltung traten neben den deutschen Bekleidungslabels „Black Legion“ und „Greifvogel Wear“ auch die französische Bekleidungsmarke „Pride France II“ sowie das russische Label „White Rex“ auf.

Bei dem „Kampf der Nibelungen“ handelt es sich um die größte europäische organisations­übergreifende Kampfsport­veranstaltung der rechtsextremistischen Szene. Die Veranstaltung hat sich – auch aufgrund ihres mehrmaligen Stattfindens in den vergangenen vier Jahren – zu einem verbindenden und stärkenden Element innerhalb der rechtsextremistischen Szene entwickelt und die Popularität von Kampfsport für Rechtsextremisten gefördert. Die Veranstalter ziehen auf ihrer Facebook-Seite eine positive Bilanz der Veranstaltung. Dass die Veranstaltung trotz des massiven Polizeiaufgebots stattfinden konnte, wird die Veranstalter darin bestärken, weitere Kampfsport­veranstaltungen – möglicherweise auch noch größerer Art – in Deutschland durchzuführen.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Dezember 2017

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