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BfV-Newsletter Nr. 4/2017 - Thema 2

Beschlagnahme von Munition bei Angehörigen von „Combat 18 Deutschland“

Am 24. September 2017 kontrollierte die Bundespolizei mit Spezialkräften der GSG 9 Kraftfahrzeuge deutscher Neonazis nach der Einreise aus der Tschechischen Republik. Hierbei wurde unter anderem eine geringe Menge Munition beschlagnahmt. Es wurden daraufhin Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet.

Bei der Personengruppe handelte es sich um Angehörige der neonazistischen Organisation „Combat 18 Deutschland“ („C18 Deutschland“) aus mehreren Bundesländern. Die Organisation „Combat 18“ – die Ziffern 1 und 8 stehen für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets und symbolisieren die Initialen Adolf Hitlers – wurde 1992 in England von Angehörigen der „British National Party“ (BNP) als deren Saalschutz gegründet. Dort erlangte C18 in der Folgezeit auch mediale Bekanntheit durch Gewaltakte und Einschüchterung politischer Gegner. Von Großbritannien aus entwickelte sich ein Netzwerk, das in vielen europäischen Ländern aktiv war. C18 propagierte zur Verwirklichung ihres Ziels, einen nationalsozialistisch geprägten Staat aufzubauen, Gewalt als legitimes Mittel im politischen Kampf.

In Deutschland lagen seit den 2000er-Jahren immer wieder vereinzelte Hinweise auf lokale C18-Sektionen vor; diese Strukturen konnten sich aber nicht über einen längeren Zeitraum weiterentwickeln und hatten letztlich keinen Bestand. Seit einigen Jahren gibt es Hinweise auf einen Ausbau von C18-Strukturen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von wenigen regionalen Kleingruppen und Einzelpersonen, die unter dem Signet „Combat 18“ firmieren.

Die zumeist verbalradikale „Militanz“ vor allem ausländischer C18-Protagonisten unterscheidet sich vom Erscheinungsbild der Organisation in Deutschland. In der Vergangenheit gaben deutsche Rechtsextremisten wiederholt die Existenz nationaler C18-Zellen vor, zum Teil auch unter Bezugnahme auf die semiterroristische Ausrichtung der Gruppierung, vor allem in England. Der szeneinterne Bezug auf C18 diente in der Regel jedoch eher der eigenen Aufwertung und sollte nach außen den Eindruck von Gefährlichkeit vermitteln. Tatsächlich jedoch gab es weder vor noch nach dem Verbot der deutschen Division von „Blood & Honour“ (B&H) im Jahr 2000 zielgerichtete Bestrebungen, C18 als „bewaffneten Arm“ von B&H in Deutschland zu implementieren. Auch aktuell liegen keine Erkenntnisse zur Umwandlung von „C18 Deutschland“ zu einer „militanten“ oder gar bewaffneten Gruppierung vor, wenngleich den Anhängern von C18 eine gewisse Waffenaffinität und grundsätzliche individuelle Gewaltbereitschaft zu unterstellen ist.

Insofern muss den Mitgliedern von „C18 Deutschland“ ein prinzipielles Gefährdungs­potenzial zugemessen werden, welches von den Verfassungsschutzbehörden mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet wird. Dies ist insbesondere notwendig, um etwaige Radikalisierungstendenzen rechtzeitig zu erkennen, welche nicht notwendigerweise die Gesamtorganisation betreffen müssen: Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich Einzelpersonen durch die Ideologie von C18 soweit indoktrinieren lassen, dass sie mit schweren rechtsextremistischen Gewalttaten in Erscheinung treten.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Dezember 2017

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