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BfV-Newsletter Nr. 1/2017 - Thema 7

IS-Propaganda verbreitet Erfolgsmeldungen über Einsatz von Kampfdrohnen im Irak und in Syrien

Bereits seit längerer Zeit setzt der „Islamische Staat“ (IS) Drohnen – also unbemannte, ferngesteuerte Fluggeräte – für Filmaufnahmen aus der Luft ein. Beispielsweise werden Anschläge oder Kampfhandlungen aus der Luft gefilmt. Diese Aufnahmen werden häufig in Propagandavideos verwendet.

Jetzt zeigt der IS in Propagandavideos und anderen Veröffentlichungen auch wiederholt Drohnen, die – so suggerieren die Aufnahmen – zum Abwurf von Sprengsätzen genutzt werden. Es wird behauptet, der nun mögliche Einsatz von Kampfdrohnen werde auf längere Sicht ähnlich effektiv sein wie die Nutzung von mit Sprengstoff beladenen und von Selbstmordattentätern gesteuerten Fahrzeugen, die der IS mit großem Erfolg einsetze. Während die Gegner des IS gegen diese Vorgehensweise inzwischen verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen hätten, seien sie gegen die Angriffe aus der Luft bisher relativ wehrlos.

Am 24. Januar 2017 wurde ein Video mit dem Titel „Die Ritter der Ämter [Behörden]“ und einer Länge von 38 Minuten auf YouTube veröffentlicht, das Aufnahmen vom Einsatz einer Drohne enthält und angeblich im Raum Mossul (Irak) gedreht wurde. Es handelt sich um ein propellergetriebenes Tragflächenflugzeug mit einer geschätzten Spannweite von circa 1,5 bis 2 Metern. Seine Oberseite scheint mit Energiezellen ausgestattet zu sein. Unter den Tragflächen hängt jeweils ein Sprengsatz, der höchstwahrscheinlich mittels Fernsteuerung ausgeklinkt werden kann. Die Sprengsätze sind circa 20 bis 30 cm lang. Der Start der Drohne erfolgt, indem ein Kämpfer den Propeller startet und die Drohne mit der Hand in die Luft wirft. Im weiteren Verlauf des Videos wird gezeigt, wie eine Drohne zwei Sprengsätze ausklinkt. Die Folgesequenzen zeigen fallende Sprengsätze, die auf Fahrzeugen und Gebäuden explodieren.

Die IS-nahe Medienstelle „A’maq“ veröffentlichte am 6. Februar 2017 ein weiteres Video auf YouTube mit einer Länge von 56 Sekunden, das augenscheinlich zeigt, wie Sprengkörper von Drohnen gegen gegnerische Einheiten eingesetzt werden. Nach jedem Abwurf ist ebenfalls die Explosion der eingesetzten Sprengladungen zu sehen. Die Sprengkörper scheinen auch Schäden zu verursachen, deren Ausmaß aber nicht konkret bewertet werden kann.

Auf einer IS-nahen arabischsprachigen Internetpräsenz wurde am 6. Februar 2017 ein Text über den Einsatz von Drohnen veröffentlicht. Der Autor betont darin, dass es dem IS trotz Belagerung und knapper werdender menschlicher und wirtschaftlicher Ressourcen weiter gelinge, seine Produktion militärisch relevanter Güter aufrechtzuerhalten. Der IS arbeite seit Monaten an der Neu- und Weiterentwicklung von Drohnen für den militärischen Einsatz. Beispielsweise wolle man Drohnen fortentwickeln, damit sie auch schwerere Sprengsätze tragen können. Zudem wolle man versuchen, Granaten für den Abwurf chemischer und biologischer Kampfstoffe zu entwickeln, sofern man in den Besitz solcher Kampfstoffe komme. Der Verfasser behauptet, die Drohnen könnten ihre Sprengsätze aus einer Höhe von bis zu 4.500 Metern abwerfen. Insgesamt betont der Verfasser die große Wirksamkeit, die die Drohnen im Kampfeinsatz zeigten.

In der 67. Ausgabe des wöchentlich erscheinenden arabischsprachigen IS-Onlinemagazins „al-Naba“ vom 8. Februar 2017 wird über eine Reihe von Drohneneinsätzen des IS berichtet. Dabei seien in der Zeit zwischen dem 2. und 8. Februar 2017 insgesamt 39 gegnerische Kämpfer getötet oder verwundet worden. Es wird behauptet, die Angriffe hätten nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien stattgefunden.

Die arabischsprachige Medienstelle „al-Wa’d“ – sie verbreitet Propaganda für den IS, ist jedoch kein offizielles Sprachrohr der Terrororganisation – veröffentlichte am 14. Februar 2017 eine Infografik zu angeblichen Drohnenangriffen des IS. Darin wird behauptet, zwischen dem 2. und 11. Februar 2017 seien 48 Angriffe von Drohnen auf gegnerische Stellungen und Quartiere erfolgt. Mehr als 79 Menschen seien dabei verletzt oder getötet worden. In diesem Zeitraum seien außerdem 27 Militärfahrzeuge durch Drohnenangriffe zerstört worden.

Der IS präsentiert den Einsatz von Drohnen in seiner Propaganda vor allem, um seine angebliche militärische Leistungsfähigkeit darzustellen. Die tatsächliche Wirksamkeit der Drohnen sowie das genaue Vorgehen beim Einsatz sind den Videos nicht zu entnehmen. Auch die statistischen Angaben zu erfolgreichen Drohnenangriffen können nicht überprüft werden, dürften aber wie schon häufig propagandistisch übertrieben sein. Der IS möchte mit den veröffentlichten Zahlen den Eindruck erwecken, dass er Drohnen nicht nur für einzelne Sondereinsätze nutzt, sondern auf breiter Front zum Einsatz bringt.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: April 2017

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