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BfV-Newsletter Nr. 4/2016 - Thema 5

Rechtsextremistische türkische Rockergruppen

Ein kleiner, aber nicht zu vernachlässigender Teil türkischstämmiger Personen in Deutschland ist der rechtsextremistischenÜlkücü“-Bewegung zuzurechnen. Hierbei handelt es sich um eine heterogene Bewegung, deren Ursprünge in der nationalistisch-rassistischen panturkistischen Ideologie des frühen 20. Jahrhunderts liegen. In Deutschland hat die Bewegung etwa 10.000 Anhänger, die sich unter das gemeinsame Symbol des „Grauen Wolfes“ stellen. Die unterschiedlichen ideologischen Ausprägungen reichen von klassischem Rassismus bis in den Randbereich des Islamismus. Gemein ist allen Anhängern, dass sie die türkische Nation politisch-territorial und ethnisch-kulturell als höchsten Wert erachten. Langfristiges Ziel ist die Schaffung eines über die türkischen Landesgrenzen hinaus reichenden Staates „Turan“. Der Begriff „Turan“ ist ein zentraler Terminus der „Ülkücü“-Ideologie und bezeichnet ein fiktives Land, in dem alle Türken und Turkvölker zusammenleben sollen. Je nach Auslegung umfasst dieses Land „Turan“ ein Gebiet vom Balkan über den Kaukasus bis nach China oder sogar Japan.

Diese Überbewertung der türkischen Identität bei gleichzeitiger Herabwürdigung anderer Volksgruppen stellt ein signifikantes Hindernis bei der Integration in die deutsche Gesellschaft dar und führt gleichzeitig immer wieder zu Konflikten mit linksextremistischen oder kurdischstämmigen Türken.

Die politischen Konflikte in der Türkei emotionalisieren auch in Deutschland türkischstämmige Personen. Vor allem resultieren daraus hierzulande gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremistischen Türken und Anhängern der verbotenen „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK).

Bereits seit 2014 werden in diesem Kontext verstärkt Aktivitäten türkischer Rockergruppierungen oder rockerähnlicher Vereinigungen wahrgenommen. Diese fallen aufgrund des vereinheitlichten Erscheinungsbildes schon optisch auf. Rockertypisch benutzen sie verbindende Symbole, Rituale und Kleidungsstücke wie zum Beispiel Lederkutten mit Emblemen der Organisation. Motorradfahren spielt keine (allein) sinnstiftende Rolle mehr. Vielmehr betätigen sich einige Angehörige der türkischen Rockergruppen auf dem Gebiet der Allgemeinkriminalität.

Zumindest zwei dieser Gruppierungen – „Turan e. V.“ und „Turkos MC“ – sind der „Ülkücü“-Bewegung zuzurechnen. Dies ist zum Beispiel am öffentlichen Zeigen der die Bewegung kennzeichnenden Symbole zu erkennen. In den sozialen Medien, aber auch bei von diesen Rockervereinigungen organisierten Demonstrationen und Kundgebungen zum Beispiel unter dem Motto „Gegen den Terror der PKK“, kam es in der Vergangenheit zum Zeigen des sogenannten Wolfsgrußes. Dabei wird mit den Fingern einer Hand der Kopf eines Wolfes symbolisiert, der im Gründungsmythos des türkischen Volkes eine wichtige Rolle spielt und für Anhänger der „Ülkücü“-Bewegung typisch ist.

Die Gruppierung „Turan e. V.“, die nach hier vorliegenden Informationen in den letzten Jahren aus den Niederlanden auch nach Deutschland gekommen ist, hat ihren regionalen Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, während „Turkos MC“ vorwiegend im Raum München vertreten ist. Beide Organisationen haben insgesamt einige Hundert Mitglieder und sind vereinzelt auch in Bundesländern jenseits ihres jeweiligen regionalen Schwerpunktes vertreten. Trotz der Selbstbezeichnung als „e. V.“ ist die Gruppe „Turan“ nirgendwo in Deutschland als Verein eingetragen.

Der „Turkos MC“ wurde 2008 tatsächlich zunächst als Motorradclub gegründet, verfolgt aber mittlerweile – jedenfalls auch – die Zielsetzungen und politischen Auffassungen der „Ülkücü“-Bewegung.

Öffentlich kommunizieren diese Gruppierungen zwar Ziele wie den Einsatz für Jugendliche, denen sie eine brüderschaftlich geborgene Atmosphäre bieten und sie so vor einem Abgleiten in die Kriminalität schützen beziehungsweise sie aus der Kriminalität herausholen wollen. Gleichzeitig kommt es gerade bei Demonstrationen für beziehungsweise gegen die PKK immer wieder zu wechselseitigen Provokationen zwischen den türkisch-nationalistischen Rockern und PKK-Anhängern. Zu Gewalttätigkeiten kam es darüber hinaus auch schon im Rahmen von durch türkische Rocker organisierten Demonstrationen und bei Veranstaltungen türkischer Linksextremisten.

Neben dem allgemeinen Kriminalitätspotenzial sind die rechtsextremistischen türkischen Rockergruppierungen damit auch ein politischer Faktor innerhalb des türkischen Rechtsextremismus in Deutschland. Dies gilt insbesondere so lange, wie die politischen Konflikte innerhalb der Türkei weiter fortdauern.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Dezember 2016

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