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BfV-Newsletter Nr. 3/2016 - Thema 9

„Der III. Weg“ warnt vor einer „Systemkonformität“ der „deutschen Rechten“

In einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Positionspapier, für das kein Verfasser angegeben ist, äußert sich die Kleinpartei „Der III. Weg“ zur Annäherung oppositioneller „rechter“ Parteien an die „Spielregeln“ des demokratischen Systems im Zuge möglicher Wahlerfolge. Eine Prognose des verantwortlichen Redakteurs der Publikation „Sezession“ aufnehmend, derzufolge der Wahlerfolg der Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zwangsläufig zu einer fortschreitenden „Systemkonformität“ führe, erörtert der Autor die Frage, inwieweit Korruption und Anpassung „an das System“ unvermeidbar seien und ob ein solcher Weg vorgezeichnet sei.

Betrachte man die bisherigen Versuche der „deutschen Rechten“, so scheine dies der Fall zu sein. Das aktuellste Beispiel sei der Versuch des früheren NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel gewesen, seine Partei unter dem Stichwort „seriöse Radikalität“ als gegenwarts- und zukunftsbezogene Kraft zu etablieren. Die „(Sachsen-)NPD der Apfel-Ära“ habe sich damals genauso als „Opposition im System der BRD“ verstanden wie die AfD dies heute tue. Zwar erleichtere eine solche Grundhaltung hier und da den Zugang zu breiteren Schichten der Bevölkerung und senke die Hemmschwelle des Normalbürgers, seine Stimme für diese Parteien abzugeben. Doch bestehe dabei immer die Gefahr, als „Partei wie jede andere“ wahrgenommen zu werden und schließlich im „Parteiensumpf der BRD“ unterzugehen.

Aus diesem Grunde habe sich die Partei „Der III. Weg“ bereits früh ein eigenes Selbstverständnis als nationale, revolutionäre und sozialistische Bewegung zugelegt, welches auch bei eintretenden Wahlerfolgen Gültigkeit besitzen werde. Zwar folge man dem „in der BRD vorgegebenen Weg der politischen Willensbildung und der Teilhabe daran“ als offizielle Partei. Statt aber wie andere Parteien lediglich einige Änderungen in der Tagespolitik verwirklichen zu wollen, trachte man danach, „eine Weltanschauung als Ideal in allen Bereichen unseres Volkes“ durchzusetzen. Da es erklärtes Ziel „der Bewegung“ sei, die eigenen Ideen in das Volk zu tragen und dabei auch in Bezug auf Mitstreiter, Einfluss und Bedeutung zu wachsen, müsse man, um dauerhaft als Fundamentalopposition wirken zu können, kontinuierlich „Arbeit nach innen“ betreiben. Diese „riesige Aufgabe“ erwachse aus den zwei maßgeblichen Quellen zur Gewinnung neuer Mitglieder: Zum einen seien dies diejenigen, die „quasi jungfräulich aus dem Dämmerschlaf der BRD-Bevölkerung“ kämen. Diese erwachten häufig nur wegen eines Gefühls „oder eines Symptoms wie etwa die derzeitige Asylpolitik“ und könnten mangels Wissen über die Gesamtzusammenhänge nur wenig hinterfragen. Diese Neuzugänge müssten von einer Frage und einem Thema zum nächsten geführt werden, bis sie verstünden, warum „Der III. Weg“ eine Opposition zum „System“ sei und keine Partei wie andere. Sie benötigten somit erst eine vollumfängliche politische Bildung, bevor sie als Träger der Weltanschauung nach außen treten könnten. Fast noch schlimmer – so die Analyse des Autors – sei es zum anderen mit potenziellen Mitgliedern, die aus der „sogenannten ‚rechten Szene‘“ kämen. Zwar sei bei ihnen einiges an ideologischem wie politischem Wissen vorhanden, dafür aber hätten sich in der „erzwungenen Rolle als Randgruppe nur wenige der deutschen und preußischen Tugenden“ erhalten. Dadurch fehle es an Grundvoraussetzungen für den „fundamentalen Kampf nach innen“, der im „Streit gegen den Ungeist unserer Zeit“ bestehe, den jeder in sich trage. Der politische Kampf setze Verantwortung und Pflichtbewusstsein bei den Funktionären sowie Disziplin und Gefolgschaft auf allen Ebenen voraus.

Eine derartige Verantwortung vor allem der Führungsaktivisten erfordere „Männer der Tat“ – ein Typus, der „vom linksgrünen Establishment der BRD nicht umsonst bekämpft“ werde. Gefordert seien deutsche Tugenden wie Disziplin, Treue, Zuverlässigkeit, aber auch Entscheidungsfreudigkeit, Draufgängertum und Wehrhaftigkeit. Deutsche Männer müssten „wieder den Preußen in sich entdecken“, dessen Geist Deutschland einmal geformt habe. Dazu sei es zunächst notwendig, den „Ballast der heutigen politisch korrekten (Um-)Erziehung über Bord zu werfen“. Abgerundet werde die „Reihe der Tugenden und Traditionen durch die eigene Außenwirkung“, seien doch Auftreten und Stil ein wichtiger Teil eines jeden. Auch mittels Tracht, Anzug, Hemd oder Zunftkleidung ließe sich der eigenständige traditionelle europäische Stil in die heutige Zeit übersetzen.

Die Abhandlung ist bereits die zweite, als strategische Überlegung zu wertende Veröffentlichung der Partei „Der III. Weg“ innerhalb kurzer Zeit. Die Partei äußert abermals deutlich Kritik nicht nur an der ideologischen Festigkeit der Angehörigen des rechtsextremistischen Spektrums, sondern auch an deren Auftreten und Erscheinungsbild. Letzteres dürfte vorwiegend auf die Mitglieder neonazistischer Organisationen und auf die Angehörigen des subkulturell geprägten rechtsextremistischen Lagers gemünzt sein, deren optische Außenwirkung mit Tätowierungen, Gesichts- und Körper-Piercings sowie künstlich geschaffenen und erweiterten Löchern in den Ohrläppchen („Tunnels“) vor allem bei öffentlichen Kundgebungen zuweilen als katastrophal und abschreckend gleichermaßen bezeichnet werden muss.

Die von Seiten der Partei „Der III. Weg“ geäußerte Kritik am Auftreten vieler Rechtsextremisten wird jedoch teilweise durch das Erscheinungsbild der eigenen Mitglieder und Aktivisten konterkariert. Nicht wenige ihrer Funktionäre entstammen derselben Szene und weisen bisweilen ähnliche subkulturelle Merkmale auf. Auch die nur langsam wachsende Mitgliederzahl der Partei ist ein Indiz dafür, dass viele Rechtsextremisten den geforderten Ansprüchen an Selbstdisziplin, Opferbereitschaft und „vollumfänglicher [weltanschaulicher] Bildung“ weder genügen wollen noch können und auch deshalb eine feste Einbindung in die Partei ablehnen.

Die postulierte Forderung nach absoluter weltanschaulicher Festigkeit und damit übereinstimmender Lebensführung in dem als programmatisch zu betrachtenden Papier belegt jedoch einmal mehr den Charakter der Partei „Der III. Weg“ als Organisation in der Tradition der historischen nationalsozialistischen Bewegung, deren Weltanschauung kompromisslos umgesetzt werden soll und für jeden Lebensbereich als allgemeingültig angesehen wird. Zudem zeigt sie auf anschauliche Weise die Selbstwahrnehmung der Partei als elitäre Avantgarde der neonazistischen Szene.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Oktober 2016

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