Blaues Newsletter-Icon auf einer Tastatur

BfV-Newsletter Nr. 3/2016 - Thema 1

Fortgesetzte Aufrufe des IS und seiner Sympathisanten zu Anschlägen im Westen

Aufrufe zu Anschlägen durch Einzeltäter im Westen sind weiterhin Teil der Propaganda der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Auch in der Sympathisantenszene im Internet wird nach wie vor vereinzelt zu solchen Anschlägen aufgerufen. Die Intensität der Aufrufe ist während der vergangenen Wochen auf einem mittleren Niveau verharrt: Zwar gibt es immer wieder einzelne Propaganda­veröffentlichungen zu dem Thema (auch in deutscher Sprache), diese haben jedoch derzeit nicht den Charakter einer systematischen Kampagne. Auch der Tod des IS-Sprechers Abu Muhammad al-Adnani am 30. August 2016 hatte zwar einzelne Aufrufe zu Racheanschlägen zur Folge, er hat bisher jedoch keine Welle von Propagandaveröffentlichungen nach sich gezogen.

Beispielsweise ruft in einem am 5. September 2016 gesicherten Video der „Provinz Furat“ des IS ein deutschsprachiges IS-Mitglied in allgemeiner Form dazu auf, sich die „Brüder“ als Beispiel zu nehmen, die in Deutschland, Frankreich, Brüssel und Orlando ihr Blut vergossen hätten. Eigentliches Thema des Videos ist die Beschreibung des Werdegangs des aus Deutschland stammenden IS-Kämpfers. Er berichtet darüber, wie er nach einer Notoperation in Deutschland zum Islam konvertiert sei und sich anschließend dem IS angeschlossen habe. In dem Video wird er unter anderem dabei gezeigt, wie er sowohl bei einer Auspeitschung als auch bei einer Amputation einer Hand eines angeblichen Diebes zugegen ist und dabei teilweise auch mitwirkt.

In einer Videoveröffentlichung der „Provinz al-Khair“ des IS vom 22. August 2016 werden Anschläge auf westliche Ziele legitimiert. Ein Sprecher ruft Muslime dazu auf, „sie [die Ungläubigen] in Angst zu versetzen, wie sie es [mit den Muslimen] machen und die Frauen [der Ungläubigen] zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen zu machen, wie sie es [mit den Muslimen] machen.“ In diesem Zusammenhang werden Zivilisten gezeigt, die von gegen den IS gerichteten Luftschlägen berichten, bei denen komplette Familien getötet worden seien. Der Sprecher ruft als Reaktion darauf zu Anschlägen im Westen auf. Unter anderem wird ein Ausschnitt aus dem Bekennervideo des Attentäters von Würzburg (Bayern) eingeblendet, der am 18. Juli 2016 in einer Regionalbahn mehrere Fahrgäste mit einer Axt und einem Messer angegriffen und dabei vier Personen schwer verletzt hatte. Des Weiteren wird der Anschlag von Nizza (Frankreich) als Beispiel für eine „erfolgreiche Operation, die niemand erwartet hat“, beschrieben. Am Ende des Videos werden verschiedene Möglichkeiten zur Beschaffung und Herstellung von Waffen gezeigt. Beispielsweise werden Schraubendreher, Baseballschläger und giftige Flüssigkeiten gezeigt, die man für Angriffe verwenden solle. Auch Fahrzeuge werden als „Waffe“ vorgeschlagen. Der Sprecher weist in diesem Zusammenhang auf die „erfolgreiche Operation“ in Nizza hin, bei der am Abend des 14. Juli 2016 ein Mann mit einem Lkw in eine Menschenmenge fuhr und dabei zahlreiche Menschen tötete sowie mehrere Hundert verletzte.

In der zehnten Ausgabe von „Dar al-Islam“, dem französischsprachigen Online-Magazin des IS, greift ein Artikel mit dem Titel „Game Over“ dieses Thema auf. So heißt es darin unter anderem, die „Soldaten des Kalifats“ hätten innerhalb kürzester Zeit Anschläge im Herzen Europas verübt und so die vielen Opfer der Bombardements in den muslimischen Ländern gerächt. Neben den Einbußen in der Wirtschaft und in der Tourismusbranche hätten die Kämpfer es geschafft, das „französische Lebensgefühl zu zerstören“.

Auf einem deutschsprachigen Telegram-Kanal, der den IS propagandistisch unterstützt, wurde am 22. August 2016 folgender Text veröffentlicht:

„Ist Deutschland gegen so einen Terror Gewappnet? Was passiert, wenn die Muslime aus Rache für Luftangriffe der Kreuzzug Koalition, anfangen Steine von Brücken zu schmeißen? Häuser anzuzünden? (…) Die Aufklärung solcher Taten ist für die Behörden, sehr schwierig und der Täter, sollte Er sich nicht allzu blöd anstellen, könnte solche Taten oft wiederholen. Die Angst der Bevölkerung würde nur noch dadurch steigen wenn der Täter dann noch die Tat filmt und den IS-Medien die Aufnahme zu spielt oder?“

Dazu stellte der Nutzer ein Bild und einen Bericht über einen Vorfall im August 2016 in Dänemark ein, bei dem Unbekannte einen Betonklotz von einer Autobahnbrücke geworfen und das Auto einer deutschen Familie getroffen hatten. Die Mutter auf dem Rücksitz des Autos wurde dabei getötet und ihr Mann schwer verletzt.

Am 24. August 2016 wurde auf einem dem IS nahestehenden Telegram-Kanal ein englischsprachiger Text veröffentlicht, der sich an die „Brüder und Schwestern“ richtet, „die in besetzten und in Gebieten des Unglaubens leben“. In dem Text werden sogenannte lone wolves („einsame Wölfe“) zu Anschlägen aufgerufen und hierfür diverse Methoden vorgestellt – beispielsweise wird vorgeschlagen, Rattengift in nicht abgepackte Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Fleisch zu mischen. Weiter wird empfohlen, geeignete Giftstoffe in geschlossenen Räumen in Lüftungen und Klimaanlagen einzubringen. Es wird angeregt, falsche Berichte über angeblich vergiftetes Obst, Gemüse oder andere Lebensmittel zu verbreiten, um wirtschaftlichen Schaden zu verursachen und Panik auszulösen. Ferner wird vorgeschlagen, Feuerwerkskörper auf Veranstaltungsplätzen zu zünden, um Angst zu verbreiten sowie Falschmeldungen über Bomben an belebten Orten (zum Beispiel Flughäfen oder Züge) in Umlauf zu bringen. Auch wird empfohlen, Drohungen von außen an geparkte Autos anzubringen und diese mit „IS Wölfe“ zu unterschreiben.

Die oben aufgeführten Beispiele zeigen, dass der IS in Propagandaveröffentlichungen weiterhin für Einzeltäteranschläge im Westen wirbt. Eine systematische Kampagne ist aktuell jedoch nicht feststellbar. Bemerkenswert sind Aufrufe in sozialen Netzwerken zu Anschlägen, die möglichst viele Menschen töten oder in Panik versetzen sollen, bei denen der Attentäter selbst jedoch unversehrt und unerkannt bleibt. Auch wenn die Hemmschwelle für diese Art von Anschlägen auf den ersten Blick niedriger zu sein scheint als für „klassische“ Selbstmordattentate, haben die Anhänger jihadistischer Gruppierungen die genannten Vorschläge bisher nicht in nennenswertem Umfang umgesetzt.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis des BfV-Newsletters Nr. 3/2016

Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Oktober 2016

Druckansicht

Gebäude 1

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366
  • Gemeinsam stark für unsere Sicherheit Details
  • Güvenliğimiz İçin Hep Beraber Daha Güçlüyüz Ayrıntılar
  • لندافع سويا وبصورة قوية عن أمننا وسلامتنا التفاصيل

Publikationen

Verfassungsschutz­bericht 2018

Verfassungsschutz­bericht 2018

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download
Verfassungsschutz­bericht 2017

Verfassungsschutz­bericht 2017

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download
Verfassungsschutzbericht 2016

Verfassungsschutzbericht 2016

Stand: September 2019
Weitere Informationen Download
Verfassungsschutz­bericht 2018, Fakten und Tendenzen (Kurz­zusammen­fassung)

Verfassungsschutz­bericht 2018, Fakten und Tendenzen (Kurz­zusammen­fassung)

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen Download
Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2018 – Pressefassung

Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2018 – Pressefassung

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen
Verfassungsschutz­bericht Rheinland-Pfalz 2018

Verfassungsschutz­bericht Rheinland-Pfalz 2018

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen
Verfassungsschutzbericht Hessen 2018

Verfassungsschutzbericht Hessen 2018

Stand: September 2019
Weitere Informationen
Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2018

Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2018

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen
Antisemitismus im Islamismus

Antisemitismus im Islamismus

Stand: Juni 2019
Weitere Informationen Download