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BfV-Newsletter Nr. 2/2015 - Thema 8

Relevanz deutschsprachiger Übersetzungen von Propaganda des „Islamischen Staates“ (IS)

Propaganda des sogenannten Islamischen Staates (IS) in deutscher Übersetzung geriet erstmals im April 2014 durch die deutschsprachige Medienstelle „al-Hayat Deutschland“ in den Fokus der Sicherheitsbehörden. Die inzwischen als „al-Hayat Media Center“ auftretende Medienstelle wurde am 17. April 2014 als „offizielles Sprachrohr“ des IS durch bekannte deutschsprachige Nutzer auf Facebook angekündigt und publiziert mittlerweile in fünf Sprachen, unter anderem Englisch. In einer ersten Veröffentlichung mit Deutschlandbezug wird in einem in deutscher Sprache gesungenem Nashid (arab.: religiöser Gesang – bedeutet in diesem Kontext „Kampflied“) zur Unterstützung des IS aufgefordert.

Weiteres islamistisches Propagandamaterial des IS in deutscher Sprache wurde bislang durch verschiedene Nutzer überwiegend in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter veröffentlicht.

Mit der Internetseite „Dump.to – IS Media Deutsch“ und dem Weblog „Baqiyya“ (arab.: „wird bleiben“. Mit dieser Formulierung wird in der jihadistischen Szene das Fortbestehen des IS postuliert.) wurden Ende April 2015 zwei neue Internetpräsenzen festgestellt, die deutsche Übersetzungen von jihadistischen Propagandavideos, sogenannten Anashid (Plural von Nashid, s. o.) und Onlinemagazinen des IS verbreiten.

Das Portal „Dump.to – IS Media Deutsch“, das laut eigenen Angaben seit dem 26./27. April existiert, präsentiert zum Beispiel die Onlinemagazine „DABIQ“, „ISLAMIC STATE NEWS“ (ISN) und „ISLAMIC STATE REPORT“ (ISR) in deutschsprachigen Versionen sowie bereits veröffentlichte Videos des IS mit deutschen Untertiteln. Die Magazine ISN und ISR enthalten professionell gestaltete Propaganda zu militärischen Erfolgen, zum Beispiel Fotos von Angriffen, aber auch zu zivilen Angelegenheiten, zum Beispiel Beiträge über die Verteilung von Hilfsgütern oder die religiöse Unterweisung der Zivilbevölkerung durch den IS.

Bei „Baqiyya“ handelt es sich um einen am 20. April gestarteten Weblog. Dort werden zum Beispiel arabischsprachige Videos von Propagandisten und Anashid mit deutschen Untertiteln veröffentlicht. In der Rubrik „Dabiq Magazin“ sind bisher die Ausgaben Nr. 1 und 2 des Magazins „DABIQ“ sowie Auszüge aus den Ausgaben 2, 3 und 6 des jihadistischen Onlinemagazins des IS auf Deutsch abrufbar.

Auf beiden Internetpräsenzen befinden sich Videos der arabischsprachigen IS-Medienstellen „al-Furqan Media“, „al-I’tisam Media“ und „Ajnad Media (Anashid)“. Diese Medienstellen dienen als offizielle Label, die Propagandamaterial im Namen des IS produzieren und im Internet veröffentlichen.

Die beiden Internetpräsenzen sind keine offiziellen IS-Kanäle, vielmehr scheinen sie von deutschsprachigen Unterstützern des IS betrieben zu werden. So kommentiert auch ein Nutzer auf dem Portal „Dump.to – IS Media Deutsch“:

„(…) es sind die Brüder, die Ansaar der Hilafa (arab.: ,Unterstützer des Kalifats‘) hier in Deutschland, die sich darum bemühen, die Medien des Staates zu verbreiten.“

Dem deutschsprachigen Publikum wird somit in noch stärkerem Umfang als bisher IS-Propaganda zugänglich gemacht und gesammelt angeboten.

Auffällig ist, dass die Internetpräsenzen nicht aufeinander verweisen, obwohl sie die gleiche Intention zu verfolgen scheinen. Zwar überschneiden sie sich teilweise inhaltlich, beispielsweise werden die gleichen Videos mit deutscher Übersetzung eingestellt, jedoch unterscheiden sich die Übersetzungen mitunter sowohl optisch als auch sprachlich. Dies deutet darauf hin, dass hinter den Präsenzen verschiedene Betreiber stehen, die nicht miteinander kooperieren.

Auf einschlägigen deutschsprachigen Kanälen und Profilen in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook werden beide Seiten verbreitet und positiv bewertet. Unter anderem verweisen zwei bekannte deutschsprachige und dem IS zugehörige Jihadisten auf ihren Twitter-Kanälen auf den Weblog „Baqiyya“.

Der IS zielt in seiner Propaganda darauf ab, Sympathisanten im Westen entweder zur Ausreise nach Syrien/Irak zu motivieren oder dazu zu bringen, als Einzeltäter Anschläge im Westen zu begehen. Die Tatsache, dass diese Aufrufe immer wieder auch in deutscher Sprache veröffentlicht werden, zeigt, dass dem IS daran gelegen ist, gezielt auch ein deutschsprachiges Publikum zu erreichen. Darüber hinaus sorgen die Übersetzungsarbeit von Sympathisanten sowie die Verbreitung von IS-Propaganda in sozialen Medien dafür, dass dem deutschsprachigen Publikum die Botschaft des IS nahe gebracht wird. Die IS-Propaganda ist insbesondere wegen ihrer Präsenz in den sozialen Medien besonders wirkungsvoll. Außerdem verstärkt auch die erhebliche Medienberichterstattung die Anziehungskraft des IS und seiner Propaganda.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Juli 2015

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