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BfV-Newsletter Nr. 2/2017 - Thema 8

Einzeltäter – weder einsamer Wolf noch isoliert

Manchester, Stockholm, London, Paris, Berlin und Nizza sind Städte, die heutzutage auch mit Terroranschlägen von Einzeltätern verbunden werden. Diese Art von Anschlägen hat an Präsenz gewonnen und ist mittlerweile eine stark propagierte Taktik von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“.

In Deutschland kam es im Jahr 2016 zu insgesamt fünf islamistisch motivierten Anschlägen. Vier der fünf ausgeführten Taten sind nach aktuellem Kenntnisstand dabei von Einzeltätern verübt worden. Zuvor gab es in Deutschland lediglich im Jahr 2011 einen Sachverhalt, bei dem ein einzelner Attentäter einen Anschlag ausführte (Arid Uka hatte sich – ohne Anbindung an salafistische Strukturen – im Internet selbst radikalisiert und am 2. März 2011 am Flughafen Frankfurt am Main zwei US-Soldaten erschossen sowie zwei weitere schwer verletzt).

Diese Entwicklung in Deutschland ist Teil eines Trends, nach dem in den letzten Jahren die Anzahl der Einzeltäteranschläge in der westlichen Welt insgesamt erheblich zugenommen hat.

Die Gewalttaten richten sich im Allgemeinen gegen „weiche“ Ziele und wurden zum Teil mit frei verfügbaren Tatgegenständen begangen, wie beispielsweise mit einer Axt oder einem Küchenmesser.

Um ein besseres Verständnis für das Phänomen des Einzeltäters zu erhalten und seiner Glorifizierung als „einsamer Wolf“ entgegenzuwirken, wurde in den letzten Jahren verstärkt zu diesem Thema geforscht. Eine Studie aus dem Jahr 2014 (Gill, P., Horgan, J. und Deckert, P.: „Bombing Alone: Tracing the Motivations and Antecedent Behaviors of Lone-Actor Terrorists“, in: „Psychiatry & Behavioral Sciences“, Vol. 59, No. 2, März 2014) kommt phänomenübergreifend unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

Die Täter sind zwischen 15 und 69 Jahre alt und überwiegend männlich. Die Hälfte ist ledig, 24,5 % sind verheiratet, 40,2 % sind arbeitslos und 31,9 % der Einzeltäter litten im Vorfeld unter psychischen Problemen.

Viele Einzeltäter weisen eine „kriminelle Vorgeschichte“ auf. So waren 41,2 % der Einzeltäter vorbestraft; 37,8 % waren aufgrund von Gewalthandlungen zuvor polizeilich auffällig.

Einzeltäter standen zudem in Kontakt zu Mitgliedern von islamistischen Netzwerken. In 47,9 % der Fälle kam es zu einem persönlichen Kontakt und in 35,3 % der Fälle zu Kontakten über das Internet. Knapp die Hälfte der Täter wurde als sozial isoliert beschrieben.

In vielen Fällen hatten Dritte (z. B. Familienangehörige und Freunde) über die Gedanken, einen Groll oder sogar über die Tatabsicht selbst Kenntnis.

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Es gibt nicht das eine Profil des Einzeltäters; vielmehr weisen sie unterschiedliche Biographien auf und agieren auf der Basis einer breit gefächerten Motivlage. Entgegen der allgemeinen Auffassung sind sie jedoch nicht in der Intensität isoliert, wie es weithin angenommen wird.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Juni 2017

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