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BfV-Newsletter Nr. 4/2016 - Thema 1

Thüringer Rechtsextremisten veranstalten Großkonzert in der Schweiz

Mit bis zu 5.000 Besuchern fand am 15. Oktober 2016 in der Schweiz eines der größten rechtsextremistischen Konzerte der letzten Jahre in Europa statt. Für die konspirative und hochprofessionelle Organisation waren deutsche Rechtsextremisten, die in der Vergangenheit eher sporadisch Konzerte im Ausland organisiert hatten, verantwortlich. Der große Zuspruch für die Veranstaltung durch subkulturell geprägte Rechtsextremisten aus vielen europäischen Ländern zeigt einmal mehr die ungebrochene Mobilisierungskraft rechtsextremistischer Musik.

Das Konzert fand im Nordosten der Schweiz in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann (Kanton St. Gallen) vor einem internationalen Konzertpublikum statt und verlief störungsfrei. Die Tennis- und Event-Halle im Ortsteil Unterwasser war nach Presseinformationen unter Angabe der Durchführung eines „Rocktoberfestes“ mit Schweizer Nachwuchsbands angemietet und behördlich angemeldet worden. Im Verlauf des Konzertes traten neben der Schweizer Band „Amok“ die deutschen Musikgruppen „Stahlgewitter“ (Niedersachsen), „Makss Damage“ (Nordrhein-Westfalen), „Confident of Victory“ (Brandenburg), „Frontalkraft“ (Brandenburg) sowie „Exzess“ (Brandenburg) auf.

Das Konzert war von Rechtsextremisten aus dem Raum Saalfeld (Thüringen) unter der Bezeichnung „Reichsmusikkammer“ organisiert worden. Durch die konspirative Planung war es den Veranstaltern bis zuletzt gelungen, den tatsächlichen Veranstaltungsort gegenüber den Sicherheitsbehörden geheim zu halten.

Das Konzert wurde von den Besuchern – darunter zahlreiche szeneprominente Aktivisten – als herausragend bezeichnet und begeistert kommentiert. Am Rande der Veranstaltung betrieben Szenevertriebe Verkaufsstände, an denen Tonträger und Bekleidung, darunter ein Veranstaltungs-T-Shirt mit der Aufschrift „Rocktoberfest“, erworben werden konnten.

Die Resonanz besonders in der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene in Deutschland, jedoch auch im neonazistischen Kameradschaftsspektrum, war bereits Wochen zuvor enorm. Die für ein Auslandskonzert ungewöhnlich hohe Mobilisierung war mutmaßlich dem angekündigten Auftritt der niedersächsischen Band „Stahlgewitter“ geschuldet. Die Band, die nur äußerst selten Live-Auftritte absolviert, genießt in der subkulturell-rechtsextremistischen Szene Kultstatus sowohl wegen ihrer unverhohlen rechtsextremistischen Texte, die sich zuweilen an der Grenze zur Strafbarkeit bewegen, als auch wegen ihrer aggressiven, jedoch qualitativ hochstehenden Art der musikalischen Darbietung. Mitglieder der Band „Stahlgewitter“ waren zudem für eine Reihe von in der Szene vielbeachteten Musikprojekten verantwortlich. Hierzu gehörte als eines der bekanntesten das Projekt „Zillertaler Türkenjäger“ aus dem Jahr 1997, das Schlagermelodien mit volksverhetzenden Texten einspielte.

Der Mobilisierungserfolg darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das subkulturell geprägte rechtsextremistische Spektrum über eine Teilnahme an derartigen Szeneveranstaltungen hinaus kaum für weitergehende politische Aktivitäten motivieren lässt. Es verharrt damit in einem von ideologischen Versatzstücken, Gewalt und subkulturellen Verhaltensweisen geprägten Milieu, von dem – anders als bei Neonazis, rechtsextremistischen Parteien sowie Weltanschauungs- und Kulturvereinigungen – kaum noch politisch bestimmte Bestrebungen ausgehen.

Das Konzert selbst passt sich zwar in einen allgemeinen Trend zuletzt wieder erhöhter Konzertzahlen in Deutschland ein. Es darf jedoch wegen der besonderen Umstände – Veranstaltungsort im Ausland, besondere Zugkraft der Hauptband, professionelle Organisation – nicht per se als Beleg für einen fortdauernden ansteigenden Trend bei den rechtsextremistischen Musikveranstaltungen gewertet werden.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Dezember 2016

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