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BfV-Newsletter Nr. 3/2014 - Thema 3

Interview Dr. Maaßen: „Schutz der ‚Kronjuwelen’ deutscher Unternehmen“ mit dem Deutschen Arbeitgeberverband am 4. Juni 2014

Datendiebstahl, Datenverlust, Spionage – Schlagworte, die tagtäglich durch die Medien kursieren. Wie es mit der Sicherheit in deutschen Unternehmen aussieht und welche Empfehlungen das Bundesamt für Verfassungsschutz gibt – Peter Schmidt, Präsident des Deutschen Arbeitgeber Verbandes, im Interview mit Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Peter Schmidt, Präsident des Deutschen Arbeitgeber Verbandes:
Herr Maaßen, Großkonzerne verfügen erfahrungsgemäß über ein ausgeprägtes Sicherheitsmanagement und legen Wert auf vorbeugende Gefahrenabwehr.
Wie sieht jedoch die Situation in den mittelständischen Betrieben aus?

Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz:
Sicherheitsstudien sowie die Erfahrungen der Verfassungsschutzbehörden weisen darauf hin, dass Sicherheit – insbesondere der Know-how-Schutz – in vielen mittelständischen Unternehmen eine noch zu geringe Bedeutung hat. Doch gerade diese Unternehmen sind oft besonders innovativ und mit ihren Produkten auf den Weltmärkten erfolgreich.
Auch bei Ihnen sollte gelten: Sicherheit ist ein Unternehmens- und Wettbewerbsziel und trägt zum Erfolg des eigenen Unternehmens und der Sicherheit von Arbeitsplätzen bei.

Peter Schmidt:
Herr Maaßen, wer sind die Täter und worauf haben sie es vor allem abgesehen?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Die Verfassungsschutzbehörden befassen sich aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags mit der von fremden Nachrichtendiensten ausgehenden Wirtschaftsspionage, aber daneben gibt es natürlich auch das Risiko der Ausspähung durch konkurrierende Unternehmen.
Das Ziel ist in der Regel, Kosten und Zeit für die Entwicklung neuer Technologien und Produkte einzusparen. Von Interesse sind aber auch grundsätzliche Branchen- und Absatzstrategien.
Gefragt ist letztendlich das Erfolgswissen – die "Kronjuwelen" – der Unternehmen.

Peter Schmidt:
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass über Datendiebstahl berichtet wird. Aus Ihrer Sicht: Wo sind die Schwachstellen und das Risiko?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Elektronischer Datenverkehr und IT-gestützte Geschäftsabläufe sind mittlerweile wesentlicher Bestandteil moderner und hochkomplexer Industriegesellschaften. Diese zunehmende digitale und technische Vernetzung bietet neben vielfältigen Vorzügen aber auch eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Ausspähung und Sabotage.
Eine häufig unterschätzte Schwachstelle – neben technischen Aspekten der IT-Sicherheit – ist auch hier der Faktor Mensch. Der Unternehmensmitarbeiter entscheidet durch sein Verhalten und seinen Umgang mit IT- und Kommunikationstechnik wesentlich über die Sicherheit schützenswerter Informationen.

Peter Schmidt:
Herr Maaßen, die von der Bundesregierung geplante Meldepflicht von Schadensfällen weist daraufhin, dass die Unternehmen eher selten die Sicherheitsbehörden einschalten.
Welche Erfahrungen hat der Verfassungsschutz?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Informationen über sicherheitsrelevante Vorfälle sind für uns natürlich besonders wichtig, vor allem auch für die Aufgaben in der präventiven Spionageabwehr. Hier wünschen wir uns nach wie vor ein höheres Meldeaufkommen. Die geplante Meldepflicht für IT-Schadensfälle für Betreiber kritischer Infrastrukturen könnte dazu beitragen. Wichtig ist uns, darauf hinzuweisen, dass wir Betroffenen aufgrund rechtlicher Regelungen umfassende Vertraulichkeit zusichern können. Wir arbeiten nach dem Opportunitätsprinzip, das heißt, wir müssen nicht alle Sachverhalte zur Anzeige bringen.

Peter Schmidt:
Was können die Unternehmen vom Verfassungsschutz erwarten?
Was bietet das BfV konkret?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Die vorbeugende Spionageabwehr ergänzt die klassische Spionageabwehr der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder. Im Rahmen einer engen Kooperation mit den Landesbehörden bietet das BfV unter dem Leitmotiv "Prävention durch Information" beispielsweise zielgruppengerechte Sensibilisierungsvorträge und Sicherheitsgespräche an. Der direkte Kontakt wird durch eine Vielzahl an Informationsmaterialien ergänzt: So gibt es auch einen eigenen Newsletter zum Wirtschaftsschutz. Ein Kennenlernen ist darüber hinaus möglich auf wichtigen Messen – wie der "CeBIT" in Hannover oder der "Security" in Essen – und der jährlichen Sicherheitstagung des BfV in Berlin.
Bei einem vermuteten oder eingetretenen Fall von Wirtschaftsspionage unterstützen wir betroffene Unternehmen mit unserer Kompetenz und jahrzehntelangen Erfahrung.

Peter Schmidt:
Sollten Staat und Wirtschaft vor dem Hintergrund der Veröffentlichungen Edward Snowdens nicht stärker beim Schutz von Daten und Know-how kooperieren?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Der Whistleblower Edward Snowden hat zu einer verstärkten Sensibilität in den Sicherheitsfragen geführt. Dies ist sicherlich begrüßenswert.
Das BfV wird seine Maßnahmen im Bereich der Cyber Defense intensivieren und auch seine Aufgabenwahrnehmung im Wirtschaftsschutz forcieren.
Ein effektiver Wirtschaftsschutz erfordert aber auch gemeinsames Handeln von Staat und Wirtschaft.
Die im August 2013 vom Bundesinnenminister und den Präsidenten von BDI und DIHK unterzeichnete Erklärung "Wirtschaftsschutz in Deutschland 2015 – Vertrauen, Information und Prävention" stellt eine zukunftsweisende Grundlage für die gemeinsamen Anstrengungen im Wirtschaftsschutz dar. Basierend auf seinen bisherigen in der Spionageabwehr und in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Verbänden gewonnenen Erfahrungen wird das BfV hierbei eine starke Rolle spielen.

Peter Schmidt:
Herr Maaßen, abschließend Ihr Rat an die Unternehmen?

Dr. Hans-Georg Maaßen:
Kurz gesagt:

  • identifizieren und schützen Sie gezielt die "Kronjuwelen", das heißt Ihr Erfolgswissen,

  • sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter, Sicherheit ist vor allem Verhalten,

  • nutzen Sie die Informationsangebote und Kompetenz der Verfassungsschutzbehörden

Peter Schmidt:
Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Maaßen.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: August 2014

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