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BfV-Newsletter Nr. 3/2014 - Thema 2

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen als Rekrutierungsmittel

Rechtsextremisten versuchen, ihre Ideologie in erster Linie mit Demonstrationen und Musikveranstaltungen zu popularisieren. Musik mit rechtsextremistischen Texten spielt nach wie vor eine große Rolle in der rechtsextremistischen Szene und ist ein wichtiges Medium zur Rekrutierung neuer Anhänger. Insbesondere rechtsextremistische Musikveranstaltungen dienen oftmals als Einstieg in die Szene.

Im Jahr 2014 fanden bislang zwei für die Szene bedeutsame Musikveranstaltungen statt. So wurde am 28. Juni in Nienhagen (Sachsen-Anhalt) das in diesem Jahr bislang größte rechtsextremistische Konzert veranstaltet: Beim sogenannten Skinhead Rock Open Air mit rund 1.300 Besuchern aus dem gesamten Bundesgebiet traten teils namhafte Bands aus dem In- und Ausland auf, die dem subkulturell geprägten rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnen sind. Demgegenüber konnte die diesjährige Besucherzahl bei der seit 2003 alljährlich stattfindenden Veranstaltung „Rock für Deutschland“ in Gera (Thüringen) am 5. Juli mit rund 320 Personen bei Weitem nicht an die Zahlen der vergangenen Jahre anknüpfen. Grund hierfür könnte das Fehlen überregional bekannter Bands gewesen sein. Vermutlich hat sich aber auch das eine Woche zuvor in Nienhagen stattgefundene Großkonzert negativ auf die szeneinterne Mobilisierung zum diesjährigen „Rock für Deutschland“ ausgewirkt.

Im Jahr 2013 fanden insgesamt 171 Konzerte, Liederabende und sonstige musikalische Auftritte statt, was gegenüber dem Vorjahr (2012: 148) einen Anstieg von rund 15% bedeutet. Gestiegen ist jedoch ausschließlich die Zahl der Liederabende, welche sich nahezu verdreifacht hat, während die Zahl der Konzerte mit Live-Auftritten rechtsextremistischer Bands sowie die Zahl der sonstigen Musikveranstaltungen stagnierten.

Live-Konzerte nehmen im rechtsextremistischen Musikgeschehen die bedeutendste Stellung ein und generieren aufgrund des Erlebnischarakters von Live-Veranstaltungen eine besondere Bindungswirkung für die subkulturelle rechtsextremistische Szene. Zudem geht von ihnen – angesichts der konspirativen Durchführung der Konzerte und der oft aggressiven Stimmung bei den Veranstaltungen, in Kombination mit in aufhetzender Weise vorgetragenen rechtsextremistischen Texten und dem übermäßigen Alkoholkonsum – ein besonderes Gefahrenmoment für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus.

Mit insgesamt 47 rechtsextremistischen Liederabenden mit Auftritten eines oder mehrerer Interpreten wurde 2013 ein Höchststand gegenüber den Vorjahren (2012: 17, 2011: 30) erreicht. Mit dem starken Anstieg der Zahl der Liederabende hat sich der in den Vorjahren zu verzeichnende rückläufige Trend umgekehrt. Generell gilt, dass Liederabende hinsichtlich ihres logistischen Aufwands deutlich einfacher und flexibler zu organisieren sind als Live-Konzerte.

Die Zahl der sonstigen rechtsextremistischen Veranstaltungen mit Musikdarbietungen bewegte sich mit 46 Veranstaltungen nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (2012: 49). Hier ist seit einigen Jahren insgesamt ein leicht rückläufiger Trend erkennbar. Fast die Hälfte der Veranstaltungen in diesem Bereich des rechtsextremistischen Musikgeschehens waren solche, die – wie auch das „Rock für Deutschland“-Festival in Gera – von der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) oder ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) organisiert wurden.

Der zuletzt rückläufige Trend bei den rechtsextremistischen Musikveranstaltungen scheint vorerst gestoppt zu sein. Die Zahlen der rechtsextremistischen Konzerte und der sonstigen Veranstaltungen stagnieren auf einem – im Vergleich zu den Vorjahren – eher niedrigen Niveau, während die Zahl der Liederabende sprunghaft angestiegen ist. Gewisse „Sondereffekte“, wie die Nutzung von szeneeigenen Objekten als sichere Veranstaltungsräumlichkeiten, die nach der 2012 erfolgten Schließung von zwei bedeutenderen Szeneobjekten nunmehr wieder in größerer Zahl vorhanden sind, spielen hierbei eine Rolle.

Dessen ungeachtet dürften die Veranstaltungszahlen des Jahres 2013 den langjährigen Gesamttrend nicht beeinflussen. Die seit einigen Jahren erkennbare rückläufige Entwicklung der Musikveranstaltungen ist auch beeinflusst von einem Rückgang des Personenpotenzials der subkulturell geprägten gewaltorientierten Rechtsextremisten, der sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt hat. Insbesondere das Wegbrechen der ehemals dieses Spektrum dominierenden Skinhead-Subkultur hat das rechtsextremistische Musikspektrum auf Dauer deutlich geschwächt.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: August 2014

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