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BfV-Newsletter Nr. 1/2014 - Thema 7

Salafistische Propaganda in Deutschland heute

Die Zahl der Anhänger des Salafismus in Deutschland ist auch im Jahr 2013 erheblich gestiegen: Dem salafistischen Spektrum werden Ende 2013 5.500 Personen zugerechnet (2012: 4.500). Damit ist der Salafismus nach wie vor die am schnellsten wachsende extremistische Bestrebung.

Die steigenden Anhängerzahlen sind vor allem auf die intensive Propaganda der Salafisten zurückzuführen. Durch vielfältige und kontinuierliche Propagandaaktivitäten, die in der Regel auch aktuelle Themen einbeziehen, verbreiten Salafisten ihre Ideologie. Dabei beschreiben sie ihre Aktivitäten verharmlosend als „Da’wa“ (arabisch für Missionierung). Die salafistische Propaganda erfolgt zum größten Teil in deutscher Sprache, wodurch sie besonders wirksam ist und eine größere Reichweite entfaltet.

Die salafistische Ideologie wird zunehmend professionell verbreitet. Salafisten sind weiterhin insbesondere im Internet sehr präsent. Dort vermitteln sie ihre salafistischen Botschaften über Videos und Filme, die häufig auf YouTube und Facebook veröffentlicht werden. Viele bekannte salafistische Prediger haben zudem eigene Webseiten, auf denen sie ihre Vorträge einstellen. Einige bieten außerdem über Chats durchgeführten „Islamunterricht“ oder gar ein komplettes „Islamstudium“ online an.

Salafistische Prediger waren 2013 auch außerhalb des Internets sehr aktiv. Viele agieren bundesweit und halten Vorträge in Moscheen, auf „Benefizveranstaltungen“ für Syrien oder auf „Islamseminaren“. Auftritte im öffentlichen Raum sind dabei in der Regel sorgfältig geplant. Kriterien für die Wahl des Veranstaltungsorts sind zentrale, belebte Plätze, mögliche Auftritte bekannter deutscher Politiker oder anderer Prominenter in zeitlicher und räumlicher Nähe sowie eventuelle Gegendemonstrationen islamfeindlicher bzw. islamkritischer Gruppierungen und Personen. Gezielt versuchen salafistische Prediger so größtmögliche Aufmerksamkeit zu erlangen, um ihre Propaganda zu verbreiten. Ferner inszenieren sie sich dabei häufig als „Opfer“ angeblicher staatlicher oder gesellschaftlicher Repression.

Neben „Islamseminaren“, auf denen salafistische Prediger vortragen, gehören vor allem bundesweit organisierte „Islam-Infostände“ und die Verteilung salafistischer Publikationen, Literatur und CDs zu den wichtigsten Propagandaaktivitäten in der „realen Welt“. Bekannte salafistische Prediger unterstützen häufig die Verteilaktionen, indem sie vor Ort auftreten. Ihre relative Prominenz, aber auch ihr charismatisches Auftreten, verbunden mit einer jugendgerechten Sprache, wirkt gerade auf junge Menschen attraktiv und weckt deren Interesse. Die o. g. Veranstaltungen werden oftmals im Internet angekündigt und beworben. Anschließend werden häufig Videoaufzeichnungen solcher Aktionen/Veranstaltungen im Internet eingestellt.

Besonders besorgniserregend bleibt das Zusammenwirken von Salafisten der politischen und der „jihadistischen“ Strömung bei Propagandaaktionen. Es ist möglich, dass politische Salafisten in diesem Zusammenhang weiter radikalisiert und „jihadistisch“ beeinflusst werden.

Im Verlauf des Jahres 2013 haben zudem die sogenannten Benefizveranstaltungen für Syrien durch Salafisten erheblich zugenommen. Auf diesen Veranstaltungen treten salafistische Prediger auf und werben um Spenden für Syrien. Gleichzeitig nutzen sie dieses Forum, um ihre Ideologie zu verbreiten. Dabei wird oftmals das Leid der sunnitischen syrischen Bevölkerung instrumentalisiert. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass einige in Deutschland aktive Prediger sich im Verlauf des Jahres 2013 zunehmend emotionaler geäußert haben. In manchen Fällen ist diese Entwicklung auf eigene Aufenthalte dieser Personen in Syrien zurückzuführen. Teilweise wird sogar zur Unterstützung kämpfender Gruppierungen in Syrien aufgerufen. Beispielsweise erklärte ein deutscher Salafist, dass diejenigen, die die „Brüder“ dort als Terroristen bezeichneten, sich schämen sollten. Es handele sich nicht um Terroristen, sondern es seien Freiheitskämpfer. Des Weiteren führte er ein Stoßgebet aus, in dem er Allah darum bat, die „Brüder“ anzuleiten, die „wahre Freiheit“ in Syrien einzuführen.

Es ist davon auszugehen, dass bei anhaltenden Kampfhandlungen die Lage in Syrien auch 2014 eine wichtige Rolle innerhalb des salafistischen Spektrums in Deutschland spielen und für ideologisch-propagandistische Zwecke genutzt werden wird.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Januar 2014

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