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BfV-Newsletter Nr. 1/2014 - Thema 5

Neonazis setzen in Südbrandenburg die „Volkstodkampagne“ fort

Seit September 2013 werden im Internet Videos und Fotos einer als „Krümelmonster“ verkleideten Person veröffentlicht, welche mit ihren Aktionen die von der am 19. Juni 2012 verbotenen „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“ initiierte „Volkstodkampagne“ fortführt.

In den Videos sperrt das „Krümelmonster“ u. a. ein CDU-Wahlkreisbüro mit Trassierband ab, fesselt eine als Bundeskanzlerin verkleidete Person mit Absperrband an einen Baum oder verunstaltet mit dem Band und einem Pappschild mit der Aufschrift „Wahlboykott“ ein Wahlplakat zur Bundestagswahl. Am Ende der Videofilme präsentiert das „Krümelmonster“ jeweils ein Pappschild mit der Aufschrift „Lieber Kekse statt Demokraten“.

Am 1. November 2013 bekannte sich eine Person im „Krümelmonster“-Kostüm in einem auf der Internetseite „Zukunftsstimmen“ eingestellten Beitrag zum Diebstahl eines Schildes mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an einer Oberschule in Lauchhammer (Brandenburg) und begründet dies wie folgt:

„Ihr habt immer nur Kekse für alles Fremde übrig – für fremde Völker, fremde Kulturen und fremde Werte. Aber keine für die Identität und Kultur des deutschen Volkes. So vergiftet ihr Demokraten die deutsche Jugend bereits an den Schulen eures Systems, lehrt ihr auf groteske Weise sich selbst zu verachten, für ein einfältiges Leben unter dem Trümmerhaufen eurer Demokratie. (…) Deshalb werde ich ab jetzt überall (…) eure deutschfeindliche Gesinnung offensiv ansprechen und der deutschen Jugend die Einzigartigkeit ihres Volkes näherbringen. Jedes Volk hat ein Überlebensrecht – auch das deutsche!“

Eine Woche nachdem das Schild entwendet worden war, hatte eine Person im „Krümelmonster“-Kostüm auf dem Schulgelände eines Gymnasiums in Senftenberg (Brandenburg) Papptafeln mit der Aufschrift „Deutsch? Cool!“ verteilt. Einige Schüler ließen sich gemeinsam mit der Figur und den Tafeln fotografieren. Am 30. Oktober 2013 wurde auf demselben Schulhof ein grabähnliches Loch mit einem Holzkreuz festgestellt, an dem sich Zettel mit der Losung „Deutsche Jugend wach auf! Die Demokraten bringen uns den Volkstod!“ befanden. Zudem war auf einem nahegelegenen Weg der Schriftzug „2030 – Die letzten Deutschen“ aufgetragen worden.

Das auf den ersten Blick harmlos wirkende Auftreten eines „Maskottchens“ im Kostüm verschleiert die rechtsextremistische und zuweilen aggressive fremdenfeindliche Intention der Initiatoren und eignet sich dazu, vor allem junge Menschen anzusprechen und für die rechtsextremistische Szene zu werben. Dabei rechnen Rechtsextremisten mit einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit für derartige unkonventionelle Methoden – nicht ohne Grund hatte besonders die auf Kinder abzielende Werbeaktion an der Schule in Senftenberg bereits mediale Erwähnung im Regionalfernsehen gefunden.

Zudem bekannten sich bisher unbekannte Personen am 6. Dezember 2013 in einem Beitrag auf der Internetseite „Zukunftsstimmen“ zu einer symbolischen „Sarg-Aktion“ auf einem Schulhof in Schwarzenheide (Brandenburg). Mitarbeiter der Schule hatten am 4. Dezember 2013 im Innenhof zwei Sargattrappen aus Pappe mit der Aufschrift „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“ aufgefunden. Darüber hinaus hatten die unbekannten Täter Parolen mit Kreide auf das Pflaster geschrieben und vor den Särgen je eine Grabkerze entzündet.

Mit diesen Aktionen setzen Neonazis in Südbrandenburg die durch das Verbot der „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“ zeitweilig eingestellte „Volkstodkampagne“ fort, um auf die so bezeichnete „fatale demographische Entwicklung und ihre Verursacher“ aufmerksam zu machen. Durch die Fokussierung auf Schulen hofft die Szene weiterhin, junge Menschen zu erreichen und für eine Mitwirkung an der „Volkstodkampagne“ zu gewinnen. So sehen es die Verantwortlichen der Internetseite „Zukunftsstimmen“ als ihre Aufgabe an, „der Jugend den richtigen Weg zu weisen und sie wachzurütteln“. Dabei werden gezielt jugendaffine Verbreitungswege wie Twitter und YouTube eingesetzt, um junge Menschen als Zielgruppe direkt anzusprechen.

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Herausgeber: Bundesamt für Verfassungsschutz
Stand: Januar 2014

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