Zwei verdeckte Männer vis-à-vis zur Illustration des Arbeitsfelds „Spionage- und Proliferationsabwehr“, Keyvisual Spionageabwehr

Wie arbeiten fremde Nachrichtendienste?

Informationsbeschaffung aus Legalresidenturen

In Deutschland unterhalten viele Staaten diplomatische und konsularische Vertretungen. In einigen davon existieren sogenannte Legalresidenturen. Damit bezeichnet man den Stützpunkt eines fremden Nachrichtendienstes, abgetarnt in einer offiziellen (z. B. Botschaft, Generalkonsulat) oder halboffiziellen (z. B. Presseagentur, Fluggesellschaft) Vertretung im Gastland. Die dort angeblich als Diplomaten oder Journalisten tätigen Nachrichtendienstmitarbeiter betreiben entweder selbst – offen oder verdeckt – Informationsbeschaffung oder leisten Unterstützung bei nachrichtendienstlichen Operationen, die direkt von den Zentralen der Dienste in den Heimatländern geführt werden.

Einen großen Teil ihrer Informationen beziehen Nachrichtendienste aus offenen Quellen. Sie werten gezielt Tageszeitungen, Nachrichtenmagazine und Fachpublikationen im Zielland aus. Auch knüpfen Nachrichtendienstmitarbeiter Kontakte zu interessanten Gesprächspartnern und gelangen durch geschickte Gesprächsführung an gewünschte Informationen.

Wenn Kontaktpersonen über Zugänge zu interessanten oder sensiblen Informationen verfügen, intensivieren Nachrichtendienstoffiziere den Kontakt. Auch führen sie konspirative Elemente in die Beziehung ein. So verlagern die Führungsoffiziere die Treffen an neutrale Orte, wie z. B. Restaurants, und bitten darum, die Gespräche vertraulich zu behandeln. Die bislang offene Gesprächsabschöpfung wird um konkrete Beschaffungsaufträge erweitert. Die Mitarbeiter der Nachrichtendienste vermitteln der Zielperson das Gefühl, besonders bedeutend zu sein und gewähren ihr auch materielle Vorteile, wie Geschenke oder Einladungen zu Restaurantbesuchen.

Manche Kontakte werden aufgrund ihrer Wertigkeit in eine klassische Agentenverbindung überführt. Der Führungsoffizier erweitert hier noch einmal die Sicherheitsvorkehrungen für persönliche Treffen und gibt dem Agenten konkrete Aufträge zur Beschaffung von besonders schutzwürdigen Informationen. Diese Art dieser Beziehung lässt nun auch sorglose Kontaktpersonen den wahren Charakter der Verbindung erkennen.

So führte beispielsweise ein am Russischen Generalkonsulat in Bonn (Nordrhein-Westfalen) als Diplomat akkreditierter Nachrichtendienstoffizier einen Agenten aus dem benachbarten Ausland. Nach einem Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts (GBA) musste der Führungsoffizier Deutschland im September 2014 verlassen.

Informationsbeschaffung unter zentraler Steuerung

Zahlreiche Nachrichtendienste leiten aber auch Beschaffungsoperationen direkt aus den Dienstzentralen in ihren Staaten. Hierzu reisen Führungsoffiziere kurzfristig ins Ausland, um dort Agenten zu treffen.

Russische Nachrichtendienste nutzen auch weiterhin sogenannte „Illegale“. Hierbei handelt es sich häufig um hauptamtliche Mitarbeiter, die unter einer Falschidentität zu langfristigen Spionageeinsätzen in ihr Zielland eingeschleust werden. Derart abgedeckte Nachrichtdienstoffiziere sind für die Abwehrbehörden besonders schwer zu enttarnen. Trotz hoher Kosten und einem großen operativen Aufwand führen die russischen Aufklärungsdienste dieses Programm fort. Dies bestätigt die Enttarnung von mehr als 15 Illegalen in NATO Staaten seit 2006, auch in Deutschland.

Im Juli 2013 wurde vom OLG Stuttgart ein als „Illegale“ eingesetztes Ehepaar wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit in einem besonders schweren Fall zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dieses hatte mit einer österreichischen Falschidentität ausgestattet seit mehr als 20 Jahren hier gelebt.

Elektronische Angriffe

Angriffe auf IT Systeme stellen für Nachrichtendienste eine bedeutende und geeignete Methode der Informationsbeschaffung dar. Weiterführende Informationen dazu finden Sie hier.

Kontaktaufnahme über Soziale Netzwerke

Nachrichtendienste nutzen auch die Möglichkeiten sozialer Netzwerke. Sie enthalten häufig eine Fülle persönlicher Informationen über die Biografie, die Ausbildung, die Tätigkeit, über Freunde, Kollegen und Vorgesetzte potenzieller Zielpersonen.

Nachrichtendienste wählen ihnen interessant erscheinende Personen aus, kontaktieren sie beispielsweise als angebliche Headhunter oder Wissenschaftler und bieten ihnen Arbeits- oder Verdienstmöglichkeiten an. Schließlich werden die Zielpersonen ins Heimatland des Dienstes, z. B. nach China, eingeladen. Dort wird dann versucht, sie enger nachrichtendienstlich zu verstricken. So werden sie z. B. aufgefordert, gegen Bezahlung Berichte und Analysen zu schreiben.

Druckansicht

Emblem pro securitate

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366

Hinweistelefon islamistischer Terrorismus 0221/792-3366
  • Gemeinsam stark für unsere Sicherheit Details
  • Güvenliğimiz İçin Hep Beraber Daha Güçlüyüz Ayrıntılar
  • لندافع سويا وبصورة قوية عن أمننا وسلامتنا التفاصيل

Publikationen