Rechtsextremistische Fahnen auf einer Demonstration zur Illustration des Arbeitsfeldes „Rechtsextremismus“

Überschneidungen des Rechtsextremismus mit der Hooligan- und Rockerszene

Anhänger der Hooligangruppierung „Kaotic Chemnitz“© picture alliance

Sowohl die Hooligan- und Ultraszene im Umfeld des Profifußballs als auch die Rockerszene sind grundsätzlich unpolitisch. Nichtsdestoweniger weisen ihre Weltbilder gewisse Elemente auf, die von Extremisten als Anknüpfungspunkte für Kooperationen und Vernetzungen instrumentalisiert werden können, weshalb eine nicht unerhebliche Zahl ihrer Angehörigen immer wieder auch im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Bestrebungen auffällt. Sie stellen daher ein wichtiges Aktivierungspotenzial für Rechtsextremisten dar. Die Hooligan- und Ultraszene ist vorrangig an Fußball und Erlebnis interessiert. Dass Hooligans gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Hooligans anderer Fußballvereine suchen, korrespondiert mit der rechtsextremistischen Vorstellung vom „Kampf ums Dasein“ und dem „Überleben des Stärkeren“ als Teil der angeblich „natürlichen Ordnung“. Ultras verbinden die besonders intensive Unterstützung des eigenen Vereins mit einer strikten Ablehnung von Fußballfunktionären, polizeilichen Kontrollen und der Kommerzialisierung des Fußballs. Diese Einstellung kann sie für eine rechtsextremistische, völkische Elitenfeindlichkeit anfällig machen. Dementsprechend gibt es schon seit den 1980er-Jahren eine nicht unerhebliche Zahl von Hooligan-Gruppierungen und mittlerweile auch Ultragruppierungen, die durch rechtsextremistische Mitglieder beeinflusst und geprägt werden. Solche Gruppierungen treten in letzter Zeit zwar nur noch selten als Gruppe im Stadion oder in der sonstigen Öffentlichkeit in Erscheinung. Dafür beteiligen sich ihre Mitglieder aber verstärkt an den Aktivitäten lokaler „Mischszenen“ zusammen mit Rechtsextremisten, teilweise auch mit Rockern und mit bürgerlichem Publikum.

Beispielhaft war insofern die Mobilisierung für die asylfeindliche Demonstration am 26. August 2018 in Chemnitz durch die Hooligangruppierung „Kaotic Chemnitz“. Dem Demonstrationsaufruf der Hooligangruppierung folgten etwa 800 bis 1.000 Personen. Nach Angaben der Polizei konnten unter den Demonstrationsteilnehmern rund 50 gewaltbereite Personen ausgemacht werden, die das Versammlungsgeschehen maßgeblich bestimmten und lenkten. Einzelne Mitglieder der neonazistischen Kleinpartei „Der III. Weg“ nahmen in T-Shirts mit dem Parteilogo an der Demonstration teil. Der überwiegende Teil der Versammlungsteilnehmer dürfte jedoch dem nicht extremistischen Lager zuzuordnen gewesen sein. Aus dem Teilnehmerfeld heraus kam es zu einzelnen Übergriffen auf Passanten sowie vereinzelten Angriffen auf Polizeibeamte.

Vergleichbare „Mischszene“-Aktivitäten hatten sich zuvor auch schon an anderen Orten feststellen lassen, etwa bei den „Kandel ist überall“- Demonstrationen in Rheinland-Pfalz, bei asylkritischen Demonstrationen in Cottbus (Brandenburg) oder bei einer „Mütter gegen Gewalt“-Demonstration in Bottrop (Nordrhein-Westfalen). Darüber hinaus gibt es in der Hooligan-Szene auch weiterhin Bestrebungen zur Schaffung vereinsübergreifender, auf die Organisation von Demonstrationen ausgerichteter Strukturen nach dem Vorbild der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa). So mobilisierte der Tod eines HoGeSa-Mitbegründers im September 2018 rund 250 Rechtsextremisten und Hooligans zu einem „Trauermarsch“ in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen). Daran anknüpfend will man sich nun um die erneute Vernetzung „aller patriotischen Kräfte“ bemühen. Der Erfolg dieser Bemühungen bleibt abzuwarten.

Rockergruppierungen streben nach lebenslangem, brüderlichem Zusammenhalt bei gleichzeitiger Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft. Ihre Vorliebe für klare Hierarchien, strikte Ehrvorstellungen und ihr Hang zu einer auf die eigene Gruppe begrenzten Loyalität macht sie für rechtsextremistische Ideologien anfällig. Dementsprechend haben Rockergruppierungen auch eine nicht unerhebliche Zahl von Rechtsextremisten unter ihren Mitgliedern. Hier besteht insbesondere die Gefahr, dass diese Rechtsextremisten die internationalen Verbindungen ihrer Rockergruppierungen und deren mögliche Zugänge zu Waffen, einschließlich Schusswaffen, für rechtsextremistische Ziele nutzen. Daneben lässt sich in letzter Zeit auch verstärkt beobachten, dass manche Mitglieder und Unterstützer von Rockergruppierungen von sich aus einzelne rechtsextremistische Themen, wie den Schutz des eigenen „Territoriums“ vor Fremden, aufnehmen und sich zueigen machen. Sie geben insbesondere anlässlich von Straftaten einzelner Flüchtlinge massiv hetzerische Kommentare im Internet ab und beteiligen sich zusammen mit Hooligans und Ultras an flüchtlingsfeindlichen Demonstrationen lokaler „Mischszenen“.

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