Zwei maskierte, bewaffnete Islamisten vor dem Schwarzen Banner zur Illustration des Arbeitsfelds „Islamismus“, Keyvisual Islamismus

Gefährdungslage Deutschland

Anschläge seit 01.01.2015

Im Jahr 2016 kam es trotz umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden zu mehreren terroristischen Anschlägen mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Auch in den Jahren 2017 und 2020 waren islamistisch motivierte Anschläge zu verzeichnen. Insgesamt erfolgten seit 2016 folgende Terroranschläge mit islamistischem Hintergrund in Deutschland:

  • 5. Februar 2016: Versuchter Brandanschlag mit zwei Molotow-Cocktails auf ein Einkaufszentrum in Hannover (Niedersachsen)

  • 26. Februar 2016: Messerattacke auf einen Bundespolizisten in Hannover (Niedersachsen)

  • 16. April 2016: Explosion in einem Gebetshaus der Sikh-Gemeinde in Essen (Nordrhein-Westfalen)

  • 18. Juli 2016: Beilattacke auf Mitreisende in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg (Bayern)

  • 24. Juli 2016: Explosion in unmittelbarer Nähe eines Musikfestivals in Ansbach (Bayern)

  • 19. Dezember 2016: Anschlag mit einem Lkw auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin

  • 28. Juli 2017: Messerattacke in einem Supermarkt in Hamburg

  • 27. April 2020: Anschlagsserie auf türkischstämmige Personen in Waldkraiburg (Bayern)

  • 18. August 2020: Unfallserie auf der Autobahn A100 in Berlin

  • 4. Oktober 2020: Messerattacke in der Dresdener Innenstadt (Sachsen)

Karte „Terroristische Anschläge in Deutschland 2016-2020", Quelle: Verfassungsschutzberichte 2016-2020Vergrößern© Bundesamt für Verfassungsschutz Karte „Terroristische Anschläge in Deutschland 2016-2020", Quelle: Verfassungsschutzberichte 2016-2020

Der Anschlag am 19. Dezember 2016 in Berlin ist mit zwölf Toten und über 50 Verletzten der bislang schwerste islamistisch motivierte Terroranschlag in Deutschland.

In den Jahren 2018 und 2019 konnte in Deutschland kein Anschlagsvorhaben in die Tat umgesetzt werden. Ein Grund hierfür dürfte der Verlust des IS-Territoriums in Syrien und im Irak sein, wodurch die Fähigkeit der Organisation zur Durchführung eines komplexen Anschlags über die Ausbildung von Attentätern vor Ort und Entsendung derselben nach Europa einschränkt wurde. Ebenso tragen die umfangreichen Maßnahmen der deutschen Sicherheitsbehörden zur Verhinderung von Anschlagsvorhaben bei. So wurde in den letzten Jahren – auch unter Mitwirkung des BfV – eine Vielzahl islamistisch motivierter Anschlagsplanungen frühzeitig aufgedeckt und vereitelt.

Gleichzeitig besteht die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus in allen europäischen Staaten weiter fort, was zuletzt im Oktober und November 2020 die Anschläge in Frankreich sowie das Attentat in Wien gezeigt haben.

Die Bundesrepublik Deutschland sowie ihre Interessen und Einrichtungen weltweit stehen unverändert im unmittelbaren Zielspektrum unterschiedlicher terroristischer Organisationen bzw. jihadistischer Gruppierungen, allen voran des sog. Islamischen Staat (IS). Die Gruppierungen haben weiterhin das Ziel, jede sich bietende Gelegenheit für einen terroristischen Anschlag zu nutzen.

Ziel: Verhinderung von Anschlagsvorhaben

Die Verhinderung islamistisch motivierter terroristischer Anschläge bleibt ein wesentliches Ziel des BfV, das in Zusammenarbeit mit den deutschen Sicherheitsbehörden und ausländischen Partnern erreicht werden kann. Die erfolgreiche bundesweite Aufklärungsarbeit der Sicherheitsbehörden trug dazu bei, dass im Jahr 2018 eine Vielzahl islamistisch motivierter Anschlagsplanungen frühzeitig aufgedeckt bzw. vereitelt werden konnten. Eine Festnahme im Juni 2018 in Köln (Nordrhein-Westfalen) offenbarte den ersten Fall der jihadistisch motivierten Herstellung einer Biowaffe in Deutschland.

Die größte Gefährdung geht vom Szenario der inspirierten und angeleiteten Einzeltäter aus. So wurde die Mehrzahl der Anschläge der vergangenen Jahre in Deutschland von inspirierten oder angeleiteten Einzeltätern bzw. Kleinstgruppen begangen. Trotz der nur noch eingeschränkten Fähigkeiten des IS können komplexe Anschläge, vergleichbar mit den Anschlägen in Paris am 13. November 2015, nicht ausgeschlossen werden.

Der Einzeltäter oder die Kleinstgruppe handelt allein beziehungsweise ohne Auftrag, auch wenn die Tat im Interesse einer islamistisch-terroristischen Gruppierung begangen wird. Typisch für diese Art von Anschlägen ist eine Tatausführung mit zum Teil alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Im Zielspektrum stehen symbolhafte und/oder leicht zugängliche, sogenannte weiche Anschlagsziele. Einzeltäter agieren jedoch nicht vollkommen isoliert. Sehr häufig erhalten sie bei der Planung und Vorbereitung ihrer Tat Beratung und Unterstützung durch Angehörige der Terrororganisation im Ausland.

Häufig geht der Tat eine Radikalisierung im Salafismus voraus. Darauf haben Propaganda und Kontakte im Internet sowie Aktivitäten der salafistischen Szene und ihrer Prediger in Deutschland einen erheblichen Einfluss.

Insbesondere Jugendliche radikalisieren sich schnell und nachhaltig und sind bereit, der Aufforderung zur Tötung von „Ungläubigen“ konsequent zu folgen. Junge Menschen sind besonders anfällig für jihadistische Propaganda speziell über soziale Medien.

Perspektivisch könnten Rückkehrer als „Veteranen des Kalifats“ neue Dynamiken in der salafistischen Szene in Deutschland auslösen. Ein besonderes Augenmerk der Sicherheitsbehörden liegt dabei auch auf den jihadistischen Familienverbünden, in denen Kinder und Jugendliche in das salafistische/jihadistische Weltbild quasi hineinwachsen (jihadistische Sozialisation).

Die Fragmentierung der salafistischen Szene setzt sich deutschlandweit fort. Es gibt viele kleine Gruppen und Personen, die Aktivitäten entfalten, dabei jedoch nicht systematisch oder zwingend im Kontakt miteinander stehen müssen. Diese Fragmentierung ist u.a. darauf zurückzuführen, dass viele salafistische Protagonisten nach Syrien und in den Irak ausreisten, um sich dort einer terroristischen Organisation anzuschließen. Aber auch der Druck durch die staatlichen Maßnahmen der letzten Jahre hat dazu beigetragen. Generell lässt sich feststellen, dass die salafistische Szene weniger gut vernetzt zu sein scheint, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Sie befindet sich derzeit in einer Art „Konsolidierungsphase“. Inwieweit die vielen verschiedenen lokalen und regionalen Hauptakteure ihr Einflussgebiet vergrößern können, kann derzeit nicht verlässlich bewertet werden.

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