Zwei maskierte, bewaffnete Islamisten vor dem Schwarzen Banner zur Illustration des Arbeitsfelds „Islamismus“, Keyvisual Islamismus

Gefährdungslage Deutschland

Anschläge in den Jahren 2016 / 2017

Im Jahr 2016 kam es trotz umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden zu mehreren terroristischen Anschlägen mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Auch im Jahr 2017 war ein islamistisch motivierter Anschlag zu verzeichnen. Insgesamt erfolgten seit 2016 sieben Terroranschläge mit islamistischem Hintergrund in Deutschland:

  • 5. Februar 2016: Versuchter Brandanschlag mit zwei Molotow-Cocktails auf ein Einkaufszentrum in Hannover (Niedersachsen)

  • 26. Februar 2016: Messerattacke auf einen Bundespolizisten in Hannover (Niedersachsen)

  • 16. April 2016: Explosion in einem Gebetshaus der Sikh-Gemeinde in Essen (Nordrhein-Westfalen)

  • 18. Juli 2016: Beilattacke auf Mitreisende in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg (Bayern)

  • 24. Juli 2016: Explosion in unmittelbarer Nähe eines Musikfestivals in Ansbach (Bayern)

  • 19. Dezember 2016: Anschlag mit einem Lkw auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin

  • 28. Juli 2017: Messerattacke in einem Supermarkt in Hamburg

Karte „Terroristische Anschläge in Deutschland 2016-2018", Quelle: Verfassungsschutzberichte 2016-2018Vergrößern© Bundesamt für Verfassungsschutz Karte „Terroristische Anschläge in Deutschland 2016-2018", Quelle: Verfassungsschutzberichte 2016-2018

Der Anschlag am 19. Dezember 2016 in Berlin ist mit zwölf Toten und über 50 Verletzten der bislang schwerste islamistisch motivierte Terroranschlag in Deutschland.

Alle sieben Anschläge der Jahre 2016 und 2017 sind der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zuzurechnen.

Seit August 2017 ist es in Deutschland nicht mehr zu einem islamistisch-terroristischen Anschlag gekommen. Die Gefährdungslage in Deutschland wurde im Jahr 2019 im Wesentlichen durch dieselben Strukturen und Einflussfaktoren bestimmt wie in den Vorjahren. Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus war im vergangenen Jahr weiterhin hoch, auch wenn Anschläge und Anschlagsvorhaben in Deutschland und Europa insgesamt rückläufig sind.

Deutschland wird von jihadistischen Organisationen nach wie vor als Feind wahrgenommen und steht unverändert in deren Zielspektrum.

Ziel: Verhinderung von Anschlagsvorhaben

Oberstes Ziel des BfV in Zusammenarbeit mit den deutschen Sicherheitsbehörden und ausländischen Partnern ist weiterhin die Verhinderung islamistisch-terroristischer Anschläge. Die erfolgreiche bundesweite Aufklärungsarbeit der Sicherheitsbehörden trug dazu bei, dass in den letzten Jahren eine Vielzahl islamistisch motivierter Anschlagsplanungen frühzeitig aufgedeckt bzw. vereitelt werden konnten. Eine Festnahme im Juni 2018 in Köln (Nordrhein-Westfalen) offenbarte den ersten Fall der jihadistisch motivierten Herstellung einer Biowaffe in Deutschland.

Seit einigen Jahren geht die größte Gefährdung vom Szenario der inspirierten und angeleiteten Einzeltäter aus. So wurde die Mehrzahl der Anschläge der vergangenen Jahre in Deutschland von „inspirierten“ oder angeleiteten Einzeltätern bzw. Kleinstgruppen begangen. Zugleich können weiterhin komplexe Anschläge, vergleichbar mit den Anschlägen in Paris am 13. November 2015, nicht ausgeschlossen werden.

Der Einzeltäter oder die Kleinstgruppe handelt allein beziehungsweise ohne Auftrag, auch wenn die Tat im Interesse einer islamistisch-terroristischen Gruppierung begangen wird. Typisch für diese Art von Anschlägen ist eine Tatausführung mit zum Teil alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Im Zielspektrum stehen primär symbolhafte und/oder leicht zugängliche, sog. „weiche“ Anschlagsziele. Einzeltäter agieren jedoch nicht vollkommen isoliert. Fast immer erhalten sie bei der Planung und Vorbereitung ihrer Tat Beratung und Unterstützung durch Angehörige der Terrororganisation im Ausland.

Häufig geht der Tat eine Radikalisierung im Salafismus voraus. Darauf haben Propaganda und Kontakte im Internet sowie Aktivitäten der salafistischen Szene und ihrer Prediger in Deutschland einen erheblichen Einfluss.

Insbesondere Jugendliche radikalisieren sich schnell und nachhaltig und sind bereit, der Aufforderung zur Tötung von „Ungläubigen“ konsequent zu folgen. Junge Menschen sind besonders anfällig für jihadistische Propaganda speziell über soziale Medien.

Jihadistische Propaganda kennt keine sprachlichen und nationalen Grenzen und ist verantwortlich dafür, dass der Jihadismus auch im Westen Anhänger findet.

Perspektivisch könnten Rückkehrer als „Veteranen des Kalifats“ neue Dynamiken in der salafistischen Szene in Deutschland auslösen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf den jihadistischen Familienverbünden, in denen Kinder und Jugendliche in das salafistische/jihadistische Weltbild quasi hineinwachsen (jihadistische Sozialisation).

Die salafistische und mehr noch die jihadistische Szene in Deutschland geben derzeit ein ambivalentes Bild ab, das zwischen dem Beharren auf der Ideologie und einer gewissen Orientierungslosigkeit schwankt. Derzeit mangelt es an wesentlichen Faktoren, die wie in den vergangenen Jahren zum Teil erhebliche Dynamiken auslösen könnten, wie bspw. charismatischen Einflusspersonen, identifikationsstiftenden Themen und mobilisierenden Aktionsfeldern.

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