Lichtstreifen vor blauem Hintergrund zur Illustration der Rubrik „Schlaglicht"

Online-Stream des rechtsextremistischen Kampfsportformats „Kampf der Nibelungen“ massiv eingeschränkt

Titelbild zum Schlaglicht Nr. 04/2020: „Online-Stream des rechtsextremistischen Kampfsportformats ‚Kampf der Nibelungen‘ massiv eingeschränkt“© www.facebook.com/kampfdernibelungen

Das europaweit bedeutendste Kampfsportturnier der rechtsextremistischen Szene, der „Kampf der Nibelungen“ (KdN), wurde in diesem Jahr aufgrund der Einschränkungen der Corona-Pandemie zunächst als Live-Stream und später als Online-Stream ohne Zuschauer für den 10. Oktober 2020 angekündigt. Wegen eines möglichen erneuten Veranstaltungsverbots wie im Oktober 2019 erfolgte die Organisation der realweltlichen Veranstaltung seitens der Verantwortlichen in diesem Jahr konspirativ.

Ziel der Organisatoren war es, eine professionelle Kampfsportveranstaltung mit Kommentierung und Analyse von mindestens 15 Kämpfen sowie ein Rahmenprogramm zu streamen. Online-Tickets wurden nach einer Überprüfung des Mindestalters von 18 Jahren zu einem Preis von 19,90 Euro veräußert.

Bei dem Online-Stream am 10. Oktober 2020 konnten die Veranstalter dann lediglich sechs aktuelle Kämpfe und zwei Mitschnitte von Kämpfen aus den Vorjahren in den Kampfsportdisziplinen Boxen, Kickboxen und Mixed Martial Arts (MMA) in einer insgesamt zweistündigen Sendung auf der eigenen Website zeigen. Sie blieben damit weit unter ihrer Ankündigung von 15 Kämpfen. Auch hinsichtlich der Professionalität des Streams und der Rahmenbedingungen der gezeigten Kämpfe mussten die Veranstalter deutliche Abstriche machen.

Dass lediglich sechs aktuelle Kämpfe gezeigt werden konnten, resultierte vor allem aus dem auf Verfassungsschutzerkenntnissen basierenden polizeilichen Verbot und der anschließenden Auflösung einer KdN-Veranstaltung am 26. September 2020 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt), bei der Material für den Stream hätte aufgezeichnet werden sollen. Zum Zeitpunkt der Auflösung waren bereits der Boxring und ein Verkaufsstand aufgebaut sowie Licht- und Videotechnik installiert. Kämpfe waren aber noch nicht ausgetragen worden. Insgesamt wurden bei den Maßnahmen die Identitäten von 95 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland festgestellt sowie der Boxring zur Unterbindung der Durchführung der Kampfsportveranstaltung beschlagnahmt. Zwar konnte ein weiterer Versuch, Kämpfe für den Online-Stream aufzuzeichnen, gut eine Woche später nicht unterbunden werden, jedoch gelang es durch polizeiliche Maßnahmen auf Basis von Erkenntnissen der Verfassungsschutzbehörden das Videomaterial weitgehend sicherzustellen und eine Verwendung im Stream zu verhindern.

Bereits zu Beginn der Kämpfe, aber besonders am Ende des Online-Streams, machte der Hauptverantwortliche des Kampfsportturniers konkrete Angaben zu den diesjährigen staatlichen Maßnahmen zur Verhinderung der KdN-Kampfsportveranstaltungen. Als Konsequenz daraus gab er an, keine neuen KdN-Veranstaltungen mehr zu planen, bis die juristischen Fragen – darunter unter anderem die noch anhängige Fortsetzungsfeststellungsklage des im Jahr 2019 erstmals behördlich untersagten KdN in Ostritz (Sachsen) – endgültig geklärt seien. Nach seiner Darstellung hätten die Verbote beziehungsweise die „staatliche Repression“ ein „Level erreicht, dass es zu viel“ werde. Ähnlich äußerte er sich auch in einem Beitrag auf der Facebook-Seite des KdN einen Tag nach der Ausstrahlung des Streams:

„Bis die juristischen Fragen geklärt sind, zieht sich das ‚KDN Team‘ zurück und wir konzentrieren uns ausschließlich auf den Ausbau unserer Klamottenmarke.“

Wie es im kommenden Jahr mit dem europaweit größten rechtsextremistischen Kampfsportturnier weitergehen wird, hängt also maßgeblich von den juristischen Entscheidungen der noch anhängigen Klagen und eingelegten Rechtsmittel sowohl gegen die letztjährigen als auch aktuellen behördlichen, gerichtlichen und polizeilichen Maßnahmen ab.

Wenngleich die Veranstalter letztlich nicht daran gehindert werden konnten, einen Online-Stream ins Netz zu stellen, haben die Maßnahmen der Sicherheitsbehörden die Aktivitäten der KdN-Verantwortlichen einmal mehr deutlich behindert und massiv eingeschränkt. In jedem Fall ist der rechtsextremistischen Kampfsportszene verdeutlicht worden, dass die Sicherheitsbehörden im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten konsequent gegen die Durchführung der Veranstaltung vorgehen.

Das BfV bewertet den KdN – ähnlich wie gleichgelagerte Kampfsportformate – nicht als sportlichen Wettkampf, sondern als ein Netzwerk und eine Plattform zur Förderung einer bewussten körperlichen Ertüchtigung für ein auf gewaltsame Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner oder der Polizei vorbereitendes Ziel. Zuletzt war ein bekannter neonazistischer Kampfsportler einer auch den diesjährigen KdN organisatorisch unterstützenden regionalen Kampfsportgruppierung aus Thüringen im Rahmen der Anti-Corona Demonstrationen vom 29. August 2020 in Berlin gewaltsam gegen eingesetzte Polizeibeamte vorgegangen.

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