Lichtstreifen vor blauem Hintergrund zur Illustration der Rubrik „Schlaglicht"

Zweites rechtsextremistisches „Schild & Schwert“-Festival in Ostritz

Titelbild zum Schlaglicht Nr. 9/2018: „Zweites rechtsextremistisches ‚Schild & Schwert‘-Festival in Ostritz“

Am 2. und 3. November 2018 fand zum zweiten Mal das rechtsextremistische „Schild & Schwert“-​Festival in Ostritz (Sachsen) statt. Das Festival fand auf dem Gelände des ehemaligen Hotels „Neißeblick“ statt und wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden der verfassungsfeindlichen NPD ausgerichtet. Wie auch bei der ersten Veranstaltung im April 2018 sollten hier die Komponenten „Politik“, Musik, Kampfsport und „rechter Lifestyle“ kombiniert werden, um möglichst viele Szeneangehörige zu gewinnen. Analog zur Premiere des Festivals im April waren wiederum die rechtsextremistische Kampfsportveranstaltung „Kampf der Nibelungen“ (KdN), politische Redebeiträge sowie Konzerte von rechtsextremistischen Bands angekündigt.

Neben den weit überwiegend deutschen Szeneangehörigen nahmen auch Rechtsextremisten aus Österreich, Polen, der Schweiz, der Ukraine und den USA teil. Damit zeigte sich auch hier die Qualität der internationalen Kontakte und der Zusammenarbeit zwischen Rechtsextremisten aus ganz Europa im Bereich der Musikveranstaltungen. Die Teilnehmerzahlen von rund 390 Personen am ersten und 800 Personen am zweiten Veranstaltungstag unterschritten die Zahl der etwa 1.300 Besucher beim ersten „Schild & Schwert“-Festival im April.

Am Auftakttag wurde die offiziell als separate Versammlung unter dem Motto „Europäischer Sport ist völkerverbindend – Für Frieden und Freiheit aller Völker“ angemeldete Veranstaltung mit eineinhalbstündiger Verspätung eröffnet. Die sogenannten KdN Team Fights, bei denen jeweils drei Kämpfer auf jeder Seite gleichzeitig gegeneinander antreten sollten, fanden jedoch entgegen der vorherigen Ankündigung nicht statt.

Auch der zweite Veranstaltungstag, der unter dem Motto „Europäische Kunst und Kultur fördern – eigene Kunstausdrucksformen unterstützen – Für Frieden und Freiheit“ stand, begann mit Verspätung. Ein „politisches Kulturprogramm“ mit einem Politikforum bildete den Rahmen für Redebeiträge von hochrangigen NPD-Vertretern und den beiden Bundesvorsitzenden der Partei „DIE RECHTE“. Daneben wurde wie bereits beim ersten „Schild & Schwert“-Festival eine „Tätowierkunst-Convention“ mit Show-Vorführungen und der Möglichkeit zur Terminvereinbarung mit Tätowierern angeboten.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde beim Auftritt einer rechtsextremistischen Band ein Lied gespielt, das die nationalsozialistische Parole „Blut und Ehre“ enthielt. Außerdem zeigten einige Besucher im Laufe der Musikauftritte den Hitlergruß, woraufhin polizeiliche Maßnahmen durchgeführt wurden. Durch eine hohe Polizeipräsenz und intensive Personen- und Fahrzeugkontrollen konnten im Zusammenhang mit dem Veranstaltungsgeschehen vereinzelt Straftaten festgestellt werden. Insgesamt leitete die Polizei 18 Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein.

Die umfangreichen Polizeikontrollen, die erneuten behördlichen Auflagen und mutmaßlich auch das kühlere Wetter haben trotz eines aus Szenesicht abwechslungsreichen Programms weniger Besucher als vom Veranstalter mutmaßlich erhofft angezogen. Hinzu kommt der durch die Abgelegenheit des Veranstaltungsortes nahe der deutsch-polnischen Grenze verursachte weite Anreiseweg für die meisten der potenziellen Teilnehmer. Eine dritte Auflage des „Schild & Schwert“-Festivals ist bislang nicht angekündigt.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen wie das „Schild & Schwert“-Festival besitzen weiterhin eine herausragende Bedeutung aus Sicht der rechtsextremistischen Szene: So dienen die Veranstaltungen beispielsweise zur Mobilisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um sie an die rechtsextremistische Szene heranzuführen und zu binden. Sie fördern die Bildung von Netzwerken und sollen den Zusammenhalt innerhalb der Szene – auch zwischen unterschiedlichen Strömungen – stärken. Neben der szeneinternen Vernetzung dienen Veranstaltungen dieser Art auch der Erwirtschaftung von Gewinnen, die zur Finanzierung lokaler und überregionaler rechtsextremistischer Strukturen eingesetzt werden können.

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