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Zahl der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen weiterhin im Aufwärtstrend

Schlaglicht Nr. 05/2017 „Zahl der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen weiterhin im Aufwärtstrend“© Quelle: Internet

Im Jahr 2016 stieg die Anzahl rechtsextremistischer Musikveranstaltungen – in Fortsetzung eines mehrjährigen Trends – um etwa zehn Prozent an. Dies unterstreicht, dass Musik mit rechtsextremistischen Texten insbesondere für den subkulturellen Teil des rechtsextremistischen Spektrums für dessen Ideologisierung und Binnenstruktur wichtig ist.

Mit insgesamt 223 Auftritten rechtsextremistischer Interpreten im Bundesgebiet (2015: 199) hat sich der seit 2013 andauernde Aufwärtstrend bei den rechtsextremistischen Musikveranstaltungen in Deutschland auch im Jahr 2016 fortgesetzt. Während die Zahl der sogenannten sonstigen Veranstaltungen mit Musikdarbietungen – also solche, bei denen sowohl politische Rede- als auch musikalische Beiträge stattfinden – und der Live-Konzerte weitgehend gleichblieb, stieg die Zahl der Liederabende deutlich an.

Grafik zum Schlaglicht Nr. 05/2017 „Zahl der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen weiterhin im Aufwärtstrend“© Bundesamt für Verfassungsschutz Musikveranstaltungen 2007 - 2016

Konzerte

Mit 68 Live-Auftritten rechtsextremistischer Musikgruppen ist die Anzahl der Konzerte erneut leicht gestiegen. Damit machen Konzerte nach wie vor etwa ein Drittel aller Musikveranstaltungen aus. Sie wirken besonders identitätsstiftend für Angehörige der subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene, da sie mit ihrer Mischung aus aggressiver Musik und exzessivem Alkoholgenuss sowie wegen ihres „Eventcharakters“ und der Möglichkeit, szeneinterne Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, eine elementare Komponente des subkulturellen Szenelebens bilden.

Mit 51 Konzerten fanden exakt drei Viertel der 68 Veranstaltungen in den ostdeutschen Bundesländern statt. Im Schnitt reisten etwa 120 Szeneangehörige zu den Veranstaltungen an. Die durchschnittliche Besucherzahl ist damit jedoch deutlich niedriger als in den Jahren 2014 und 2015, in denen sie bei jeweils etwa 160 Besuchern pro Konzert lag. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass 2016 keine Großkonzerte mit hohen Besucherzahlen in Deutschland stattfanden: Kein Konzert zog mehr als 250 Teilnehmer an. In den Jahren 2016 und 2017 wurden größere Konzerte mit einer vierstelligen Besucherzahl zuweilen im europäischen Ausland – etwa in der Schweiz und in Frankreich – durchgeführt.

Die Konzerte fanden wie in den Vorjahren ganz überwiegend in Objekten und auf Grundstücken von Szeneangehörigen sowie der Szene zur Verfügung stehenden Lokalitäten statt. Die Nutzung solcher szeneeigener Objekte gewährleistet eine gewisse Veranstaltungssicherheit, wenn zum Beispiel Veranstaltungen regulär angemeldet und eventuelle Auflagen der zuständigen Behörden eingehalten werden.

Liederabende

Neben den Konzerten fanden sogenannte Liederabende großen Anklang. Vor allem in dieser Kategorie gab es mit 71 Veranstaltungen einen starken Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren; allein gegenüber 2015 waren dies ein Drittel mehr. Damit bewegt sich die absolute Zahl der Liederabende auf dem höchsten Wert der letzten zehn Jahre. Die Begründung für die hohe Zahl der Liederabende in Relation zur Gesamtzahl aller Musikveranstaltungen ist darin zu sehen, dass Liederabende logistisch wesentlich einfacher durchzuführen sind als Konzerte. Zudem können hierfür auch kleinere Veranstaltungsobjekte (Lokale oder Objekte rechtsextremistischer Parteien) genutzt werden.

Sonstige Veranstaltungen mit Musikdarbietungen

Während Liederabende wegen ihrer kaum vorhandenen Außenwirkung oft für die breite Öffentlichkeit verborgen bleiben, sorgen einzelne der sogenannten sonstigen Veranstaltungen mit Musikdarbietungen für eine deutlich größere mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Zu dieser Kategorie gehören teilweise von mehreren Tausend Rechtsextremisten besuchte Veranstaltungen, die nicht selten unter freiem Himmel stattfinden. Die teilnehmerstärkste Kundgebung in diesem Bereich fand mit dem Festival „Live H8 IV – Rock für Identität“ im Mai 2016 in Hildburghausen (Thüringen) mit etwa 3.500 Besuchern statt. Die Buchstaben-/Zahlenkombination „H8“ steht dabei für das englische Wort „Hate“ (Hass).

Die Attraktivität dieser sonstigen Musikveranstaltungen resultiert aus ihrer weitgehenden Verbotsfestigkeit: Durch die angemeldeten Auftritte von Rednern erhalten die Veranstaltungen den Charakter einer politischen Versammlung und sind im Gegensatz zu kommerziellen Musikveranstaltungen kaum gänzlich zu verbieten, sondern werden in der Regel mit Auflagen versehen.

Die Zahl dieser Musik- und Rednerveranstaltungen blieb 2016 mit 84 im Vergleich zu 2015 weitgehend konstant. Dem überwiegend politisch ausgerichteten Charakter dieser Veranstaltungen entsprechend besaßen die rechtsextremistischen Parteien, die etwas mehr als ein Drittel aller Veranstaltungen organisierten, einen deutlich größeren Anteil am Veranstaltungsgeschehen als in den beiden anderen Segmenten der Konzerte und Liederabende, in denen sie kaum vertreten waren.

Bewertung

In nahezu allen Bereichen des Rechtsextremismus wird gezielt Musik eingesetzt, um Veranstaltungsteilnehmer anzuziehen und Kundgebungen sowie Rednerveranstaltungen durch musikalische Programmpunkte aufzulockern. Der überaus starke Zuspruch von Szeneangehörigen bei einzelnen Veranstaltungen ist Ausweis einer nicht selten erfolgreichen Umsetzung dieser Strategie. Dabei dient Musik nicht nur als Kitt für die subkulturell geprägte rechtsextremistische Szene, sondern erfüllt auch Funktionen der Mobilisierung und Ideologisierung. Die in den letzten Jahren regelmäßig getroffene Feststellung, derzufolge rechtsextremistische Musik eine nach wie vor wichtige Bedeutung für die rechtsextremistische Szene besitzt, hat daher weiterhin Gültigkeit. So ist bereits für Juli 2017 im Raum Hildburghausen erneut ein Festival geplant, das mit der szeneinternen Kultband „Stahlgewitter“ als Hauptgruppe noch mehr Zuschauer anziehen soll als die erwähnte letztjährige Veranstaltung „Live H8 IV – Rock für Identität“.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen 2007 - 2016
  2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Tabelle „Rechtsextremistische Musikveranstaltungen 2007 - 2016“, Zahlenmaterial zum Schlaglicht Nr. 5/2017 „Zahl der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen weiterhin im Aufwärtstrend“, Stand: Mai 2017
sonstige Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen 64 50 42 71 57 49 46 51 82 84
Liederabende 26 30 38 40 30 17 47 55 54 71
Konzerte 138 127 125 128 131 82 78 55 63 68
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