Lichtstreifen vor blauem Hintergrund zur Illustration der Rubrik „Schlaglicht"

Kommunikationsstrategie des IS

Schlaglicht Nr. 12/2016 „Kommunikationsstrategie des IS“, Bild 1© IS-Onlinezeitung „al-Naba’“ Nr. 38

Die Propaganda des terroristischen sogenannten Islamischen Staates (IS) ruht auf zwei Säulen: den offiziellen Medienstellen einerseits und den Aktivitäten der Unterstützer beziehungsweise Sympathisanten andererseits.

Offizielle Medienstellen

Die offiziellen Medienstellen des IS produzieren und verbreiten als Sprachrohre der Organisation Propagandaprodukte, an denen sich die Kommunikationsstrategie des IS ablesen lässt und anhand derer Ziele, Strategie und Taktik der Organisation deutlich werden. Solche Medienstellen sind derzeit:

Logo der IS-Medienstelle „Al-Furqan“ (Quelle: Internet)Vergrößern

„Al-Furqan“, die offizielle Hauptmedienstelle. Sie agiert als exklusive Medienstelle für die Führungsebene des IS. Botschaften dieser Medienstelle enthalten oftmals richtungweisende Inhalte für die Organisation.

Logo der IS-Medienstelle „Al-Hayat Media Center“ (Quelle: Internet)Vergrößern

„Al-Hayat Media Center“, zuständig für Veröffentlichungen in anderen Sprachen als Arabisch. Diese Medienstelle kommuniziert sprachlich und inhaltlich mit dem nicht-arabischen Publikum. Qualität und Layout dieser Propaganda erinnert an westliche Filmproduktionen, Computerspiele und Hochglanzmagazine.

Logo der IS-Medienstelle „Ajnad“ (Quelle: Internet)Vergrößern

„Ajnad“ für die Produktion von Audios in Form religiöser Erbauungssendungen wie Koranrezitationen und Anashid (Hymnischer Kampfgesang, in der Regel zur Glorifizierung von Kampf und Kämpfern).

Logo der IS-Medienstelle „Al-Bayan Radio“ (Quelle: Internet)Vergrößern

„Al-Bayan Radio“, das auch als Internetradio abrufbar ist.

Logo der IS-Medienstelle „al-Naba’“ (Quelle: Internet)Vergrößern

Die Wochenzeitung „al-Naba’“, in der hauptsächlich Operationsberichte und Infografiken sowie Berichte zu aktuellen Ereignissen veröffentlicht werden. So erschien in der 40. Ausgabe von „al-Naba’“ am 26. Juli 2016 eine angebliche Biografie des Attentäters von Ansbach (Anschlag vom 24. Juli 2016).

Die Medienbüros der einzelnen IS-Provinzen, die voneinander unabhängig sind, jedoch unter der direkten Kontrolle des „IS-Medienministeriums“ stehen. Sie sind zuständig für Lokalnachrichten aus den jeweiligen Provinzen. Zudem ist zu beobachten, dass sie auch teils konzertierte Aktionen organisieren, wie nach den Anschlägen in Paris vom 13. November 2015: Nachdem sich der IS am Folgetag zu den Anschlägen bekannt hatte, folgten an den nächsten Tagen Videoveröffentlichungen verschiedener IS-Provinzen zu dem Thema. Damit wird bezweckt, ein großes Medienecho zu erzielen und den IS als einheitlich agierende Körperschaft darzustellen.

Unterstützer und Sympathisanten

Neben diesen offiziellen Medienstellen sind für die Verbreitung und Erstellung von Propagandaprodukten zudem Unterstützer und Sympathisanten der Organisation wichtig. Zum einen verbreiten sie offizielle IS-Produkte weiter, übersetzen diese in andere Sprachen und produzieren teils auch eigene Propagandaprodukte, die jedoch nur dann toleriert werden, wenn sie der inhaltlichen Linie der offiziellen Propaganda entsprechen. Somit wirken Unterstützer und Sympathisanten als Verstärker und Distributoren. Neue Ziele und Taktiken des IS lassen sich aus ihren Produkten jedoch nicht ablesen.

Sonderfall „A’maq“

Logo der Medienstelle „A’maq“ (Quelle: Internet)Vergrößern

Eine Sonderstellung nimmt momentan die Medienstelle „A’maq“ ein. Sie produziert ausschließlich Propaganda zugunsten des IS, wurde jedoch vom IS noch nicht öffentlich anerkannt. „A’maq“ wurde erstmals im August 2014 im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen dem IS und kurdischen Kräften um das nordsyrische Kobanê bekannt. Die Medienstelle verbreitet insbesondere zeitnah veröffentlichte schriftliche Kurzmeldungen im Corporate Design sowie IS-Operationsberichte in Form nachbereiteter Handy-Videos. Somit gibt „A’maq“ Privataufnahmen einen „offiziellen Anstrich“ und erzielt dadurch mit wenig Aufwand eine große Wirkung. Dabei hat „A’maq“ keinen Fokus auf Europa, sondern berichtet aus allen Einflussgebieten des IS. Jedoch fällt auf, dass „A’maq“ insbesondere auch Bekennervideos von Attentätern veröffentlicht, die in Europa Anschläge begangen haben. So sind sowohl das Bekennervideo des Attentäters von Würzburg (Anschlag vom 18. Juli 2016) als auch das des Attentäters von Ansbach jeweils einen Tag nach der Tat von „A’maq“ veröffentlicht worden.

Nutzen sozialer Netzwerke für den IS

Insgesamt ist feststellbar, dass der IS von der allgemeinen Beliebtheit sozialer Netzwerke und der weiten Verbreitung mobiler Endgeräte profitiert. Das Internet wird als eine Erweiterung der Echtwelt wahrgenommen. Je mehr Zeit in den sozialen Netzwerken verbracht wird, desto mehr Einfluss erlangt der virtuelle Freundeskreis auf den Nutzer. Zudem befördern die sozialen Netzwerke aufgrund ihrer Funktionsweise die Schaffung meinungshomogener virtueller Räume, in denen Abweichler ausgeschlossen werden und die Gleichgesinnten sich immer wieder gegenseitig bestärken. Der IS profitiert hiervon im Sinne einer „Gleichschaltung“. Die Nutzung mobiler Endgeräte kann diesen meinungshomogenen Gleichschaltungseffekt verstärken, da der Nutzer überall und unabhängig von seinem tatsächlichen sozialen Umfeld gleichzeitig in seinem virtuellen sozialen Umfeld vernetzt sein und kommunizieren kann. Hierbei kann das virtuelle Umfeld zu einer Konkurrenz zum realen Umfeld werden. Virtuelles Vertrauen wird gerade von Minderjährigen schnell aufgebaut, die sich in einer Findungsphase befinden und sich durch die kontinuierliche Bestätigung im virtuellen Umfeld bestärkt fühlen. Hier können neben der jihadistischen Propaganda auch direkte Ansprachen von IS-Aktivisten sowohl in der realen als der virtuellen Welt besonders radikalisierend wirken.

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