Lichtstreifen vor blauem Hintergrund zur Illustration der Rubrik „Schlaglicht"

Radikalisierung von muslimischen Migranten in islamistischen Moscheen?

Flyer der Gruppierung „Siegel der Propheten“Flyer der Gruppierung „Siegel der Propheten“ (Quelle: Facebookseite „Siegel der Propheten“)

Die Migrationsbewegungen nach Deutschland stoßen nicht nur bei Rechtsextremisten, sondern auch bei islamistischen Akteuren auf Resonanz. Bislang konnten das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und die Landesbehörden für Verfassungsschutz (LfV) mehr als 340 Hinweise zu unmittelbaren Kontaktversuchen von Islamisten gegenüber Migranten feststellen. Ganz überwiegend versuchen Islamisten direkt im Umfeld von Migrantenunterkünften erste Kontakte aufzunehmen. Kontakte zwischen Islamisten und Migranten ergeben sich aber auch, wenn Migranten islamistische Moscheen besuchen. Hiermit verbunden ist letztlich die Frage nach der Gefahr einer extremistischen Radikalisierung von Migranten.

Ausgangssituation

Aktuell zählen die Verfassungsschutzbehörden bundesweit mindestens 90 islamistische Moscheen, die in Bezug auf die Migrationsbewegungen aktiv geworden sind. Vielfach konnte die Anwesenheit von muslimischen Migranten bei Predigten oder anderen Veranstaltungen der Moscheen beobachtet werden. In einem Großteil dieser Moscheen wird hauptsächlich Arabisch gesprochen. Viele Asylbewerber stammen aus arabischen Ländern. Im Jahr 2015 erfasste das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 441.899 Asylerstanträge. ca. 43 % aller 2015 erstmals gestellten Asylanträge stammen von Personen aus den arabischsprachigen islamisch geprägten Ländern Syrien (158.657 Anträge, ca. 36 %) und Irak (29.784 Anträge, ca. 7 %). Zwischen Januar und Juli 2016 reichten 468.762 Personen erstmalig einen Asylantrag ein, darunter 196.028 Syrer (ca. 42 %) und 66.143 Iraker (ca. 14 %).

Nahezu alle islamistischen Moscheen in Deutschland, in denen die arabische Sprache vorherrscht, sind salafistisch beeinflusst.

Die Verantwortlichen begrüßen den verstärkten Besuch ihrer Moscheen durch Migranten in aller Regel. Der Zulauf von Migranten erweitert den Zuhörerkreis und bietet zusätzliche Missionierungsmöglichkeiten. Dabei verfolgen die dortigen Imame und Funktionäre mit ihren Predigten und Veranstaltungen häufig das Ziel, einer befürchteten „Vereinnahmung“ von Migranten durch die westliche Kultur entgegenzuwirken und propagieren die Abgrenzung zu Personen christlichen oder jüdischen Glaubens.

Motive von Migranten zur Teilnahme an Veranstaltungen islamistischer Moscheen

Islamistische Moscheen werden von muslimischen Migranten zunächst scheinbar ganz überwiegend aus rein praktischen Erwägungen besucht. Neben der arabischen Sprache dürfte in einigen Fällen der Besuch auch mit der räumlichen Nähe einer (islamistischen) Moschee zu einer Migrantenunterkunft zusammenhängen.

Zum Besuch islamistischer Moscheen dürften außerdem deren oftmals umfassenden Hilfsangebote motivieren, die Migranten ein Gefühl des „Willkommenseins“ vermitteln können. Hilfsangebote werden nicht nur durch persönliche Kontaktaufnahmen, sondern auch auf Flyern und im Internet bekannt gemacht. Den Migranten, denen die westliche Gesellschaft und Kultur oftmals zunächst fremd ist, werden so soziale Kontakte ermöglicht, die sie beispielsweise auch im Alltag nutzen können (z. B. Hilfe bei Behördenbesuchen).

Gefahr einer islamistischen Radikalisierung von Migranten?

Eine Vielzahl der in Deutschland Schutz suchenden Menschen stammt aus Krisenländern wie Syrien und Irak, in denen rigorose und brutale jihadistische Gewaltausübung und Verfolgung alltäglich geworden sind. Zustände, die ursächlich für ihre Flucht waren. Vor diesem Hintergrund erscheint es weniger wahrscheinlich, dass solche Migranten (zumindest kurzfristig) aktiv und bewusst Verbindungen zu Personen oder Organisationen suchen, die ein extremistisches Verständnis des Islam verbreiten. So konnte auch festgestellt werden, dass Migranten islamistische Moscheen aufgrund der dort vorherrschenden Inhalte meiden oder wieder verlassen.

Anders ist die Lage in Bezug auf solche Migranten zu beurteilen, die bereits in ihrem Heimatland Sympathien für islamistische oder gar jihadistische Gruppierungen hegten. Diese Migranten könnten durch den Besuch islamistischer Moscheen in Ihren Ansichten bestärkt werden.

Ob und inwiefern es islamistischen Einzelpersonen und Personenzusammenschlüssen langfristig gelingen wird, Migranten an sich zu binden, lässt sich nur schwer prognostizieren. Die dieser Fragestellung unterliegenden Einflussgrößen sind vielfältig und komplex.

Von ausschlaggebender Bedeutung ist vor allem die persönliche Situation eines Migranten, die eine Hinwendung zum Islamismus forcieren könnte. Geringe Aussichten auf eine Einbindung in den deutschen Arbeitsmarkt, Diskriminierungserlebnisse im Alltag oder verstärkte (rechtsextremistische) Angriffe gegen vermeintliche oder tatsächliche Ausländer können zu Frustration führen und den Nährboden für extremistische Radikalisierungsprozesse Einzelner schaffen. Hilfskampagnen islamistischer Akteure in Moscheen können dabei mögliche Radikalisierungsprozesse begünstigen.

Auch um eventuelle Kontaktaufnahmen durch Islamisten in Moscheen möglichst frühzeitig zu erkennen und reagieren zu können, stellt das BfV die Broschüre „Wie erkenne ich extremistische und geheimdienstliche Aktivitäten? Eine Handreichung für Flüchtlingshelferinnen und -helfer“ zur Verfügung. Sie soll als praktische Hilfe Personen und Organisationen dienen, die sich in der Flüchtlingshilfe professionell oder ehrenamtlich engagieren, vor allem aber Mitarbeitern von Flüchtlingsunterkünften.

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