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Anstieg der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen im Jahr 2015

Bild von Konzertflyern für das Schlaglicht Nr. 6/2016 „Anstieg der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen im Jahr 2015“VergrößernKonzertflyer, Quelle: Facebook

Musik mit rechtsextremistischen Inhalten hat eine wichtige Funktion für die rechtsextremistische Szene und ist ein bedeutendes Medium für Radikalisierung wie Rekrutierung. In Liedtexten werden offen oder auch unterschwellig rechtsextremistische Feindbilder und Ideologiefragmente transportiert, entsprechende Denkmuster geformt und verfestigt sowie ein Identitätsgefühl beschworen.

Der mit solchen Musikveranstaltungen verbundene „Event-Charakter“ wirkt auch auf Jugendliche und junge Erwachsene attraktiv, die noch nicht fest der Szene zuzurechnen sind, und begünstigt oftmals deren Einstieg in die rechtsextremistische Szene. Hier werden erste Kontakte geknüpft beziehungsweise bestehende Verbindungen gepflegt und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.

Neuer Höchststand seit 2012

Mit insgesamt 199 Auftritten rechtsextremistischer Musikgruppen und Solokünstler hat die Zahl der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen – hierunter fallen Live-Konzerte, Liederabende und sonstige Musikveranstaltungen – im Jahr 2015 einen neuen Höchststand seit 2012 erreicht. Bei einer weitgehend konstanten Zahl von Live-Konzerten und Liederabenden war die deutlich gestiegene Zahl der Auftritte rechtsextremistischer Interpreten bei sonstigen Musikveranstaltungen ausschlaggebend für den Anstieg.

Diagramm für das Schlaglicht Nr. 6/2016 „Anstieg der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen im Jahr 2015“Vergrößern© Bundesamt für Verfassungsschutz

Die Zahl der Konzerte ist mit 63 gegenüber dem Vorjahr leicht und damit zum ersten Mal seit vier Jahren wieder gestiegen. Allein sieben Veranstaltungen wurden von der – vor allem im Hooligan-Spektrum, aber auch in der rechtsextremistischen Szene beliebten – Band „Kategorie C“ bestritten. Der Trend zu kleineren Veranstaltungen, wie er sich seit mittlerweile 15 Jahren mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von weniger als 200 Personen manifestiert, setzte sich weiter fort. Das größte Konzert im vergangenen Jahr fand am 5. September 2015 im sächsischen Neuensalz-Zobes als Open-Air-Konzert mit rund 640 Besuchern statt. Ein Konzert in dieser Größenordnung war allerdings im Jahr 2015 die absolute Ausnahme; bei keinem anderen Konzert wurden mehr als 300 Teilnehmer erreicht.

Die im Jahr 2015 ausgerichteten Liederabende bewegten sich mit 54 Veranstaltungen nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Liederabende haben auf die Teilnehmer eine besonders emotionale Wirkung; die Vermittlung politischer Botschaften über die Liedtexte und Zwischenmoderationen nimmt hier ein stärkeres Gewicht ein als etwa bei Konzerten. Die im Vergleich zu den anderen Veranstaltungsarten weiterhin recht hohe Zahl der Liederabende ist damit zu begründen, dass der organisatorische Aufwand für die Durchführung eines Liederabends vergleichsweise gering ist.

Den stärksten Anstieg verzeichneten die sogenannten sonstigen Musikveranstaltungen. Darunter sind Demonstrationen oder Rednerauftritte zu verstehen, die von musikalischen Darbietungen rechtsextremistischer Interpreten begleitet werden. Mit 82 solcher Auftritte ist die Zahl der sonstigen Musikveranstaltungen gegenüber 2014 um fast 80 Prozent angestiegen. Insgesamt 33 dieser Veranstaltungen wurden von rechtsextremistischen Parteien durchgeführt. In der Regel handelte es sich hierbei um Auftritte von Liedermachern bei Saalveranstaltungen der Parteien, aber auch um Open-Air-Veranstaltungen mit langjähriger Tradition wie das Festival „Rock für Meinungsfreiheit“ am 23. Mai 2015 in Hildburghausen mit rund 1.500 Teilnehmern oder der „Eichsfeldtag“ des NPD-Kreisverbands Eichsfeld am 13. Juni 2015 in Leinefelde (Thüringen) mit bis zu 450 Teilnehmern.

Fazit

Der seit nunmehr vier Jahren anhaltende Anstieg der Zahl rechtsextremistischer Musikveranstaltungen belegt die nach wie vor bestehende Relevanz von Musik mit rechtsextremistischen Texten für unterschiedliche Spektren des Rechtsextremismus. Für den Bereich der subkulturell geprägten Rechtsextremisten dient Musik – vor allem bei den Live-Konzerten – als Mittel der Selbstdarstellung und der szeneinternen Kommunikation über Werte und Feindbilder sowie als Ausdruck eines subkulturellen Zusammengehörigkeitsgefühls. Für das Spektrum der Neonazis und für die rechtsextremistischen Parteien – mit Überschneidungen beider Bereiche beispielsweise bei den neonazistisch geprägten Kleinparteien „Der III. Weg“ und „DIE RECHTE“ – dienen Auftritte rechtsextremistischer Interpreten sowohl zur Vermittlung explizit politischer Botschaften als auch zur Werbung potenzieller Interessenten.

Mit Blick auf das 1. Halbjahr 2016 musste bereits eine rechtsextremistische Musikveranstaltung mit einer besonders hohen Besucherzahl festgestellt werden: Am 7. Mai 2016 fand unter dem Motto „Rock für Identität – Musik- und Redebeiträge gegen die Abschaffung Deutschlands“ eine rechtsextremistische Musikveranstaltung in Hildburghausen (Thüringen) statt, die mit rund 3.500 Besuchern aus Deutschland und teilweise aus dem benachbarten europäischen Ausland zu den größten rechtsextremistischen Musikveranstaltungen der letzten Jahre zählte. Zuletzt hatte das Festival „Rock für Deutschland“ im Juli 2009 mit rund 3.900 Gästen ähnlich großen Zuspruch erfahren.

Die Attraktivität einer solcher Veranstaltung in Hildburghausen – mit ihrer Mischung aus Auftritten rechtsextremistischer Musikinterpreten und politischen Redebeiträgen – für ein breites Publikum aus unterschiedlichen Segmenten des Rechtsextremismus unterstreicht einmal mehr die fortdauernde Bedeutung rechtsextremistischer Musik als Werbe- und Kommunikationsmedium und für den Zusammenhalt der rechtsextremistischen Szene.

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen 2015
  2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Tabelle „Rechtsextremistische Musikveranstaltungen 2015“, Zahlenmaterial zum Schlaglicht Nr. 6/2016 „Anstieg der rechtsextremistischen Musikveranstaltungen im Jahr 2015“, Stand: Juni 2016
sonstige Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen 75 64 50 42 71 57 49 46 51 82
Liederabende 29 26 30 38 40 30 17 47 55 54
Konzerte 163 138 127 125 128 131 82 78 55 63
gesamt 267 228 207 205 239 218 148 171 161 199
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