Lichtstreifen vor blauem Hintergrund zur Illustration der Rubrik „Schlaglicht"

BfV/ASW-Sicherheitstagung zum Risikofaktor „Innentäter“

Titelbild des Programms Symposium WirtschaftsschutzVergrößern© Bundesamt für Verfassungsschutz und LfV Baden-Württemberg Titelbild des Programms Symposium Wirtschaftsschutz

Im Rahmen der Kooperation des BfV mit der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft – Bundesverband (ASW) fand am 13. Mai in Berlin die 9. gemeinsame jährliche Sicherheitstagung statt.

Schwerpunktthema für die ca. 130 Experten aus Unternehmen, Verbänden und Behörden war ein weithin unterschätztes Problem:

„Innentäter – eine unterschätzte Gefahr in Unternehmen“

Hierzu erklärte der Präsident des BfV, Dr. Hans-Georg Maaßen: „Menschen stellen eine mögliche Sicherheitslücke dar, die von Unternehmen oft unterschätzt wird. Ein Spionageangriff ist häufig auch eine Kombination aus elektronischem Angriff und menschlichem Handeln. Unternehmen wie auch Behörden benötigen motivierte und sensibilisierte Mitarbeiter als eine „human firewall“ zum Schutz vor illegalem Technologietransfer.“

Die erst kürzlich veröffentlichte Sicherheitsumfrage „WiK/ASW Sicherheits-Enquête 2014/2015“ bestätigte diese Einschätzung und erbrachte u. a. das Ergebnis, dass etwa 30 % der in den vergangenen zwei Jahren von Unternehmen angezeigten Delikte auf Taten von Mitarbeitern zurückzuführen waren.

Dabei sind Innentäter der Faktor mit dem höchsten Risikopotential für Unternehmen. Sie verfügen in der Regel über volle physische und virtuelle Zugangsmöglichkeiten zu Räumlichkeiten, Netzwerken und Datenbanken im Unternehmen und sind zugleich mit den notwendigen sozialen Kontaktmöglichkeiten ausgestattet. Für Innentäter ist es einfach, ergänzende Erläuterungen oder Verfahrensdokumentationen zu erhalten, insgesamt also ein Schadensszenario, das weit über einen elektronischen Angriff hinausgehen, ihn zumindest hervorragend ergänzen kann. Sorglosigkeit im Umgang mit sensiblen Unterlagen einerseits und die vermeintliche Vertrauenssituation zum unerkannten Innentäter andererseits erleichtern die dolosen Handlungen enorm.

Täter kann vom Hausmeister bis zum Manager jeder sein - Hierarchien bilden hierbei keine Grenzen. Als Akteure kommen sowohl langjährig beschäftigte Mitarbeiter in Frage als auch eingeschleuste oder nur kurzfristig im Unternehmen beschäftigte Personen sowie Fremdpersonal.

Ihre Motivation kann ebenso vielfältig wie unterschiedlich sein. Im Laufe eines Berufslebens erlebte Enttäuschungen – z. B. wegen nicht erfüllter Beförderungswünsche - können den ehemals motivierten zu einem frustrierten Mitarbeiter verändern. Bindung und Solidarität zum Unternehmen („Corporate Identity“) hat er längst verloren, innerlich vielleicht längst gekündigt.

Aber auch vorübergehend im Unternehmen tätiges Fremdpersonal, das zeitlich befristet Zutritts- und Zugriffsberechtigungen erhält, stellt ein Schadensrisiko dar, insbesondere wenn es mit einer bestimmten Auftragssituation eingeschleust wurde oder mit persönlich motivierter Schadensabsicht eindringt.

Mehrere Referenten schilderten in ihren Beiträgen Alltagssituationen in Unternehmen und erläuterten ihren Umgang mit dem Sicherheitsrisiko Innentäter. Die Risiken durch Spionage in der Realwelt erhöhen sich zunehmend durch die Kombination mit Cyberspionage. Denn diese eröffnet weitere Angriffsmöglichkeiten auf das Know-how des Unternehmens.

Die Prävention vor Schäden durch Innentäter sollte deshalb auch die Mitarbeiter in den Mittelpunkt eines effektiven Sicherheitsmanagements stellen und sie intensiv einbinden. Ein Verständnis für Sicherheitsbelange und ein darauf ausgerichtetes Verhalten sind wesentliche Voraussetzung dafür, Handlungen von Mitarbeitern mit Schadensfolgen zu vermeiden.

Allerdings, auch darauf gingen Referenten der Sicherheitstagung ein, gehört zu einem umfassenden Risikomanagement ebenso die Einhaltung von Sicherheitsaspekten bei der Personalauswahl, u. a. die sorgfältige Prüfung von Bewerberunterlagen oder das Beiziehen ergänzender Informationen bei der Besetzung besonders sensibler Positionen. Dazu gehören selbstverständlich auch die Personalbetreuung während des Arbeitszyklus und Vertraulichkeitsabreden über das Ausscheiden hinaus.

Als Exkurs berichteten Experten des BfV über die aktuelle Situation der islamistisch-terroristischen Bedrohung für unsere Gesellschaft und damit auch für Unternehmen und die dort Beschäftigten. Dieses Thema beschäftigt die deutsche Wirtschaft seit den Anschlägen von Paris im Januar und von Kopenhagen im Februar 2015 stärker als zuvor. Das BfV bietet den Unternehmen dabei Unterstützung in dem Bestreben an, Wege vom „Job in den Jihad“ zu erkennen und zu blockieren.

Der Innentäter stand auch im Mittelpunkt des Statements von Dr. Maaßen: Angesichts der Meldungen zu Cyberangriffen hätten viele Unternehmensverantwortliche es „nicht so im Blickfeld, dass die Gefahr für ihre Firma eher in und nicht außerhalb ihrer Firma schlummert.“ Der ASW-Vorsitzende Volker Wagner verwies auf eher mittelständische Unternehmen, die zwar in vielen Fällen besonders innovativ und Know-how-stark seien, Sicherheitsthemen aber nach wie vor oft nicht ausreichend beachteten.

BfV-Präsident Dr. Hans-Georg Maaßen (l.) und der ASW-Vorsitzende Volker Wagner (r.) bei der 9. Sicherheitstagung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und der Allianz für Sicherheit der Wirtschaft e.V. - ASW Bundesverband in Berlin.Vergrößern© Mike Minehan Dr. Hans-Georg Maaßen (l.) und Volker Wagner (r.)

Die langjährige Kooperation von BfV und ASW ist ein gutes und funktionierendes Beispiel einer vertrauensvollen Kooperation von Staat und Wirtschaft. Beide Seiten haben ein großes Interesse an einem weiteren Ausbau dieser Zusammenarbeit. „Flucht wäre der falsche Weg“, betonte Herr Wagner vor dem Hintergrund der Veröffentlichungen über vermeintliche Wirtschaftsspionage US-amerikanischer Nachrichtendienste. Einig war er sich mit Dr. Maaßen, dass nun Aufklärung geboten sei, gefolgt von Prüfung und abschließender Bewertung. Denn neben dem Interesse, auch mögliche Angriffe westlicher Nachrichtendienste zu detektieren, besteht ein existenzielles Interesse an den Vorteilen, resultierend aus der Kooperation mit US-amerikanischen Diensten.

Dr. Maaßen unterstrich abschließend: „Der von Staat und Wirtschaft gemeinsam eingeschlagene Weg des Wirtschaftsschutzes ist unverzichtbar und alternativlos.“ Deutschland und deutsche Firmen stehen unverändert im Fokus ausländischer Nachrichtendienste. Auch deshalb habe das BfV, so Dr. Maaßen weiter, die Spionageabwehr konzeptionell neu ausgerichtet. Dazu gehöre ein „360º-Blick“ gegenüber allen fremden Nachrichtendiensten gleich welcher Himmelsrichtung, der Ausbau der Cyber- und IT-Kompetenz und die Verstärkung der Prävention im Bereich von Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Der Tagungsband zur 9. BfV/ASW-Sicherheitstagung wird in Kürze auf der Homepage des BfV veröffentlicht.

Zu den Themenfeldern „Innentäter“ und „Personalauswahl“ haben die Verfassungsschutzbehörden Informationsschriften mit Handlungsempfehlungen veröffentlicht.

Weiterführende Publikationen:

  • Faltblatt "Sicherheitslücke Mensch - Der Innentäter als größte Bedrohung für die Unternehmen"

  • Faltblatt "Personalauswahl - Sicherheitsaspekt im Unternehmen"

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