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Verbot der salafistischen Vereinigung „Die Wahre Religion“ (DWR) alias „LIES! Stiftung“ durch den Bundesminister des Innern am 15. November 2016

Der Bundesminister des Innern hat am 15. November 2016 die Vereinigung „Die Wahre Religion“ (DWR) alias „LIES! Stiftung“/„Stiftung LIES“ einschließlich ihrer Teilorganisationen „LIES! Verlag“, „ReadLiesLtd“ und „Insamlingsstiflesen Al Quran Foundation“ verboten und mit Wirkung vom 15. November 2016 aufgelöst.

Logo von „Die Wahre Religion“ (DWR)

Die salafistische Vereinigung DWR richtete sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung sowie gegen den Gedanken der Völkerverständigung. Sie vertrat eine Ideologie, die die verfassungsmäßige Ordnung ersatzlos verdrängt, befürwortete den bewaffneten Jihad und stellte ein bundesweit einzigartiges Rekrutierungs- und Sammelbecken für jihadistische Islamisten sowie für solche Personen dar, die aus jihadistisch-islamistischer Motivation nach Syrien bzw. in den Irak ausreisen wollten.

Das salafistische Predigernetzwerk DWR wurde im Jahr 2005 von Ibrahim Abou-Nagie gegründet. Die Aktivitäten der Vereinigung konzentrierten sich anfangs auf das Abhalten von Seminaren und Vorträgen, um den Zuhörern die vorgeblich „reine Botschaft“ des Islams „in moderner Form und unter Zuhilfenahme neuer Medien“ näherzubringen. Seit 2011 verschob sich der Schwerpunkt jedoch überwiegend auf die Durchführung von Informationsständen im Rahmen der von DWR initiierten Kampagne „LIES!“. Seither kann DWR und „LIES!“ synonym verwendet werden.

Logo der „LIES!“-Kampagne

Bei der „LIES!“-Kampagne handelte es ich um eine Art der Dawa-Arbeitarab. für Einladung [zum Islam] – bei der die Aktivisten auf belebten öffentlichen Plätzen und Straßen an Informationsständen Koranübersetzungen an vorwiegend Nicht-Muslime verteilten und für ihre Arbeit um Spenden warben. Ziel von „LIES!“ war es, zunächst 25 Millionen Koranübersetzungen kostenlos an Nicht-Muslime in ganz Deutschland zu verteilen. Aussagen Abou-Nahies zufolge sind bis Mitte 2016 rund 3,5 Millionen Exemplare verteilt worden.

DWR/LIES! war mittlerweile nicht nur in zahlreichen Städten und Gemeinden Deutschlands aktiv, sondern verteilte auch international Koranübersetzungen in zuletzt 15 Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien, Schweden, Österreich, Bahrain und seit Juni 2016 auch in Brasilien. Neuesten Planungen Abou-Nagies zufolge sollte das „LIES!“-Projekt demnächst in Malaysia an den Start gehen. Um ein möglichst breites Publikum zu erreichen und zu „missionieren“, wurde die Übersetzung des Korans zuletzt in zwölf Sprachen (u. a. Deutsch, Portugiesisch, Schwedisch, Russisch, etc.) verteilt.

Die Infostände des „LIES!“-Projekts bzw. der „Street Dawa“ boten dabei die Möglichkeit, eine salafistische Ideologie zu propagieren, die dazu geeignet ist, die islamistische Radikalisierung anzustoßen oder voranzutreiben.

Koran-Exemplare auf einem Tisch für die „LIES!“-Kampagne

An den Aktionen des Projekts „LIES!“ beteiligten sich zahlreiche Personen aus dem jihadistischen Spektrum oder mit Kontakten in die jihadistische Szene. Insgesamt sind 140 Personen ausgereist, um sich in Syrien bzw. im Irak terroristischen Organisationen anzuschließen, nachdem sie an DWR-Aktionen teilgenommen haben.

Gerade bei jungen Menschen in der Identitätsfindungsphase und auf der Suche nach Antworten finden salafistische Ideen oftmals Anklang, wenn charismatische Leitfiguren der salafistischen Szene einfache Lösungen auf komplexe Fragen anbieten. Abou-Nagie selbst kam dabei nicht nur die Rolle der zentralen Leitfigur des Projektes zu, sondern auch die des weithin bekannten Predigers. Das dürfte einer der Gründe sein, warum es sich bei der überwiegenden Zahl der Koranverteiler um Jugendliche und Heranwachsende handelte. Nicht zuletzt durch die intensive Nutzung moderner Medien und sozialer Netzwerke bei der Verbreitung der salafistischen Ideologie wurde insbesondere ein junges Publikum auf DWR/LIES! aufmerksam.

Das Verbot wurde notwendig, um mit DWR/„LIES!“ ein für die salafistische Szene in Deutschland bedeutsames Rekrutierungs- und Sammelbecken für jihadistische Islamisten auszutrocknen.

Weiterführende Links:

Stand: 15.11.2016, 9:00 Uhr

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