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Angriffe von Linksextremisten auf Kritische Infrastrukturen und Wirtschaftsunternehmen.

Brennende Kabel nach dem Brandanschlag in Berlin im Januar 2026 (Quelle: Stromnetz Berlin)

(Januar 2026)

Linksextremisten verursachen durch Sachbeschädigungen und Brandanschläge gegen Kritische Infrastrukturen (KRITIS) und Wirtschaftsunternehmen jedes Jahr Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe. Diese Angriffe haben Auswirkungen auf unternehmerische Entscheidungen und Prozesse; damit gefährden sie den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die gezielte Zerstörung von KRITIS betrifft häufig auch weite Teile der Bevölkerung, zum Beispiel durch Ausfälle von Strom, Internet und Telekommunikation oder durch Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs.

KRITIS dienen aus Sicht gewaltorientierter Linksextremisten den Interessen und der Funktionsfähigkeit des „repressiven Staates“, der ausschließlich darauf bedacht sei, seine „kapitalistischen Profitinteressen“ zu befriedigen und seine Macht zu festigen. Die Bereiche „Energie“, „Informationstechnik und Telekommunikation“, „Transport und Verkehr“ sowie „Staat und Verwaltung“ werden primär zum Ziel von Sachbeschädigungen und Brandstiftungen.

Wirtschaftsunternehmen stehen besonders im Fokus von Linksextremisten, da sie als tragende Säulen des „ausbeuterischen“ und „repressiven kapitalistischen Systems“ betrachtet werden. Aus diesem Grund ist nahezu jedes größere Unternehmen zumindest abstrakt gefährdet, Ziel militanter Aktionen und Straftaten zu werden. Bestimmte Wirtschaftsbereiche sind dabei besonders häufig betroffen, so zum Beispiel Unternehmen der Energieversorgung oder aus der Bau-, Immobilien-, Technologie- oder Automobilbranche.

Bei der Betrachtung von Angriffen auf KRITIS ist zu berücksichtigen, dass Firmen vielfach Aufgaben im Rahmen der Grundversorgung übernehmen und damit ein Teil von KRITIS sind. Dies gilt insbesondere für den Energiesektor. Linksextremisten zielen bei ihren Angriffen seltener direkt auf einen Ausfall von KRITIS ab. Vielmehr wollen sie ausgewählte Wirtschaftsunternehmen schädigen, beispielsweise durch eine Unterbrechung der Stromversorgung. Dabei nehmen sie etwaige Kollateralschäden billigend in Kauf.

Beispiel: Brandanschlag auf zwei Strommasten in Berlin am 9. September 2025

So kam es am 9. September 2025 wegen eines Brandanschlages an zwei Strommasten zu einem großflächigen Stromausfall im Südosten Berlins. Mehrere Zehntausend Haushalte und Gewerbebetriebe waren teilweise bis zum 11. September 2025 von der Stromversorgung abgeschnitten. In einem Pflegeheim konnte die Beatmung von Patientinnen und Patienten nicht mehr gewährleistet werden, sodass die betroffenen Personen in Krankenhäuser verlegt werden mussten. Darüber hinaus waren unter anderem die Notrufnummern nur eingeschränkt erreichbar und Straßenbahnen und S-Bahnen fielen aus oder fuhren verspätet. Auch die Straßenbeleuchtung und Ampeln funktionierten nicht. Durch Ausfälle in einem Heizkraftwerk konnten zudem zahlreiche Haushalte nicht mit warmem Wasser versorgt werden.

picture alliance/dpa/Jens Kalaene Strommast nach Brandanschlag in Berlin im September 2025

In einer auf der linksextremistischen Internetplattform „de.indymedia“ noch am selben Tag veröffentlichten Taterklärung bekannten sich anonyme Autoren, die sich selbst als „Einige Anarchist:innen“ bezeichnen, zu dem Brandanschlag. Sie gaben an, dass der Anschlag insbesondere dem Technologiepark in Berlin-Adlershof und dort ansässigen Unternehmen gegolten habe. Einige der betroffenen Unternehmen werden namentlich genannt, um jeweils beispielhaft vermeintliche „Schandtaten zu entlarven“ und die „unsägliche Verstrickung von Forschung, Wissenschaft und Technologie mit Krieg, Umweltzerstörung und sozialer Kontrolle“ zu belegen. Des Weiteren benennen die Autoren explizit KRITIS als ausgewähltes Angriffsziel:

„Kritische Infrastruktur anzugreifen, bedeutet eine der Hauptadern der Unterwerfung des Menschen über den Menschen und der Natur anzugreifen. (…) Die Elektrizität ist dabei Hauptquelle der Energie, die jede Maschine und den „Fortschritt“ nährt, die notwendig sind, dieses aktuelle System zu reproduzieren. Es abzuschalten ist möglich und es ist auch möglich, es mit einem Leben in Freiheit ohne Herrschaft zu ersetzen!“
(Internetplattform „de.indymedia“, 9. September 2025)

Die Autoren der Taterklärung rufen dazu auf, es ihnen gleichzutun und preisen ihren Anschlag als „effektive Systemunterbrechung“ an. Sie drohen insbesondere Unternehmen, die im Bereich Rüstung aktiv sind oder mit der Bundeswehr zusammenarbeiten. Dass durch einen großflächigen Ausfall der Elektrizität auch Menschenleben gefährdet werden, ist den Autoren des Bekennerschreibens bewusst. Diesen „Kollateralschaden“ sehen sie „als vertretbar an“.

Angriffsziele, Tatmittel und Begründungszusammenhänge

Zu Angriffen auf beispielsweise (Bau-)Fahrzeuge, Kabelschächte, Mobilfunkmasten, die Infrastruktur von Tagebauen oder Gebäude von Wirtschaftsunternehmen werden nach der jeweiligen Tat regelmäßig anonyme Bekennerschreiben auf einschlägigen Internetplattformen veröffentlicht. Darin werden die Taten mit verschiedenen, für Linksextremisten relevanten ideologischen oder weltanschaulichen Überzeugungen – sogenannte Begründungszusammenhänge – gerechtfertigt.

Am häufigsten wird ein vorgebliches Engagement für den Klimaschutz als Rechtfertigung für Anschläge herangezogen. Linksextremisten versuchen, die öffentliche Debatte über das Thema zu beeinflussen und um die eigenen ideologischen Positionen zu ergänzen. Sie wollen die Klimaprotestbewegung radikalisieren und den Staat und seine Institutionen delegitimieren.

Die Klimakrise könne nur mit der Beseitigung der derzeitigen Staats- und Gesellschaftsordnung und der Etablierung einer kommunistischen oder herrschaftsfreien, anarchistischen Gesellschaft abgewendet werden. Gewaltorientierte Linksextremisten versuchen, militante Aktionen und Straftaten als legitime Protestformen innerhalb der Klimaprotestbewegung zu etablieren. So begehen klandestin operierende Kleingruppen Straftaten gegen Unternehmen im Energiesektor und stellen diese im Nachgang als legitime Mittel im Kampf für mehr Klimaschutz dar.

Weitere, regelmäßig wiederkehrende Begründungszusammenhänge sind unter anderem die Themenfelder „Antimilitarismus“, „Antirepression“ und „Antigentrifizierung“. Straftaten gegen Rüstungsunternehmen und ihre Zulieferbetriebe werden in Tatbekenntnissen mit „antimilitaristischen“ Beweggründen gerechtfertigt. Logistikunternehmen wie die Deutsche Bahn AG, welche auch Rüstungsgüter transportiert, werden in diesem Kontext angegriffen. Als „Knastprofiteure“ werden Unternehmen diffamiert, die am Bau und Unterhalt von Justizvollzugsanstalten beteiligt sind. Straftaten gegen diese werden unter dem Themenfeld „Antirepression“ subsumiert.

Angriffe auf Baustellen, Büros und Fahrzeuge von Immobilienunternehmen rechtfertigen Linksextremisten mit der vermeintlichen Gentrifizierung ihrer Lebensräume. Außerdem können beispielsweise das Auslaufen von Nutzungs- und Mietverträgen, Eigentümerwechsel oder Umstrukturierungen sowie angedrohte Räumungen von Szeneobjekten als vermeintliche „Angriffe“ verstanden werden und Straftaten zur Folge haben.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn stehen neben einer Bahnstrecke, an der ein Feuer in einem Kabeltunnel gelegt wurde
Christoph Reichwein/dpa/picture alliance


Die Deutsche Bahn AG ist seit Jahren besonders von linksextremistischen Anschlägen betroffen. Die neben den Gleissträngen verlaufenden Kabelschächte werden regelmäßig beschädigt oder in Brand gesetzt, wobei auch Datenkabel anderer Dienstleister und Unternehmen meist mitbetroffen sind. Neben dem verursachten Sachschaden führen solche Anschläge zu Verspätungen und Zugausfällen sowie teilweise auch zu Ausfällen von Strom, Internet oder Telekommunikation.

Die Begründungszusammenhänge für Straftaten gegen die Deutsche Bahn AG sind vielfältig. Mal wird sie als das größte deutsche Logistikunternehmen angegriffen, das ausschließlich im Dienst der auf Profitmaximierung ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaftsordnung stehe. Auch wird ihr die Beteiligung an Rüstungsexporten oder an „ausbeuterischen“ Projekten in anderen Ländern vorgeworfen: beispielsweise in Bezug auf das mexikanische Eisenbahnprojekt „Tren Maya“. Zudem wollen Linksextremisten alltägliche Funktionsabläufe, wie den reibungslosen Transport von Gütern und Personen, stören und „Momente des Stillstands“ erzwingen.

Neben den verursachten Sachschäden soll auch das Ansehen der betroffenen Unternehmen dauerhaft geschädigt werden. Die ausführlichen Tatbegründungen in Kombination mit der – gerade bei Brandanschlägen – hervorgerufenen öffentlichen Aufmerksamkeit dienen diesem Zweck. Mit den Ausführungen in den Tatbekenntnissen sollen andere Linksextremisten angesprochen und zu weiteren Taten animiert werden. Durch die Vielzahl und Regelmäßigkeit von Sachbeschädigungen und Brandanschlägen auf KRITIS und Wirtschaftsunternehmen wollen die Täter den demokratischen Rechtsstaat schwächen, der von ihnen als Teil des kapitalistischen Systems verstanden wird.

„Kommando Angry Birds“

Auf einschlägigen Internetplattformen bekannte sich in den letzten Jahren bereits mehrfach ein „Kommando Angry Birds“ zu Anschlägen gegen KRITIS. Die Anschläge trafen mehrheitlich Infrastruktur des Bahnverkehrs und führten zu teils massiven Schäden und Beeinträchtigungen des Schienenverkehrs. Das „Kommando Angry Birds“ bekannte sich unter anderem zu einem Brandanschlag Ende Juli 2025 an einer der wichtigsten Bahnverbindungen in Nordrhein-Westfalen zwischen Düsseldorf und Duisburg, der zu massiven Störungen im Regional- und Fernverkehr führte.

Den Brandanschlag begründete das „Kommando Angry Birds“ mit antikapitalistischen und ökologischen Motiven. Es setzte unter anderem die „Industrie“ mit einem „Tumor“ gleich, der „neutralisiert“ werden müsse. In der Taterklärung wird zudem Bezug auf die Kampagne „Switch off“ genommen.

Das „Kommando Angry Birds“ veröffentlichte zudem Anleitungen zur Herstellung von Brandsätzen und verfolgt damit verschiedene, von Linksextremisten regelmäßig genutzte Strategien zur Bekämpfung der von ihnen verhassten bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Neben der direkten Begehung von Brandanschlägen gibt das „Kommando Angry Birds“ sein Wissen weiter, um andere in die Lage zu versetzen, selbst erfolgreich Brandanschläge zu begehen.

Vulkangruppen

In Berlin und Brandenburg werden seit dem Jahr 2011 in unregelmäßigen Abständen Brandanschläge auf neuralgische Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen. Nach den Taten veröffentlichen anonyme Autoren, die sich selbst als „Vulkangruppen“ bezeichnen, Bekennerschreiben auf einschlägigen Internetplattformen. Häufig haben die Angriffe spürbare Auswirkungen auf die Bevölkerung. So kam es bereits mehrfach zum Ausfall von Strom und Telekommunikation sowie zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Es lässt sich annehmen, dass sich hinter den „Vulkangruppen“ ein Netzwerk verbirgt. Es dürfte sich um unterschiedliche Strukturen handeln, die den Namen „Vulkangruppe“ als eine Art „Label“ nutzen. Verbindungen zwischen den einzelnen Strukturen sind nicht auszuschließen. Ideologisch lassen sich die Vulkangruppen dem gewaltorientierten anarchistischen Spektrum zuordnen.

Die Täter platzierten in allen Fällen Brandsätze an Kabelschächten und Verteilerkästen mit dem Ziel, die alltäglichen Funktionsabläufe zu stören, um dem verhassten kapitalistischen System Schaden zuzufügen.

Beispielsweise verübten unbekannte Täter am 26. März 2018 einen Anschlag auf die Mörschbrücke in Berlin, bei dem wichtige Versorgungsleitungen in Brand gesetzt wurden. Die Hitzeentwicklung beschädigte Teile der Brücke so stark, dass zwischenzeitlich die Gefahr eines Einsturzes bestand. Tausende Privathaushalte und hunderte Gewerbebetriebe blieben stundenlang ohne Strom. Laut einer am gleichen Tag veröffentlichten Taterklärung der „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“ sei das Ziel des Anschlags gewesen, Netzbetreiber, Informationsdienstleister, Verwaltungs- und Regierungsnetze sowie „weitere zivile und militärische Betreiber“ lahmzulegen und einen möglichst hohen Sachschaden zu verursachen.

Ein Strommast mit Brandspuren steht auf einem Feld
Christophe Gateau/picture alliance Strommast mit Brandspuren nahe der Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg

Die „Vulkangruppe Tesla abschalten“ bekannte sich zu einem Brandanschlag auf einen Strommast am 5. März 2024 in der Nähe der Tesla-Gigafactory in Grünheide in Brandenburg. Dadurch wurde die Stromversorgung des Tesla-Werks unterbrochen und es kam zu einem längerfristigen Produktionsausfall. Nach Unternehmensangaben entstand ein Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro. Der Stromausfall betraf auch weitere im Umfeld ansässige Unternehmen sowie tausende Haushalte und zehntausende Bürgerinnen und Bürger. Ein örtliches Krankenhaus und das Logistikzentrum eines Lebensmittelkonzerns mussten auf eine Notstromversorgung zurückgreifen.

Laut der auf der linksextremistischen Internetplattform „de.indymedia“ veröffentlichten Taterklärung wurde das Unternehmen als Repräsentant eines als totalitär diffamierten „Herrschaftssystems“ angegriffen, das wegen seines technologischen Fortschritts und der damit verbundenen Zerstörung der Natur sowie der Unterdrückung des Menschen bekämpft werden müsse.

Am 3. Januar 2026 kam es wegen eines Brandanschlags auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu einem großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins. Durch den Brand und einen darüber hinaus vorsätzlich herbeigeführten Kurzschluss wurden mehrere Starkstromkabel erheblich beschädigt. In vier umliegenden Stadtteilen im Berliner Südwesten kam es in der Folge zu einem großflächigen Stromausfall. Von diesem waren rund 45.000 Haushalte und etwa 2.200 Gewerbebetriebe betroffen, die teilweise bis zum 8. Januar 2026 von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Unter anderem waren auch mehrere Krankenhäuser und Pflegeheime von dem Stromausfall betroffen, teilweise mussten Personen vorsorglich in andere Einrichtungen verlegt werden. Darüber hinaus waren unter anderem die Notrufnummern zeitweise nur eingeschränkt erreichbar und die Festnetz- und Mobiltelefonie gestört. Auch der öffentliche Personennahverkehr war gestört, Straßenbeleuchtung und Ampeln funktionierten nicht. Durch Ausfälle in dem Heizkraftwerk Berlin-Lichterfelde konnten zudem zahlreiche Haushalte nicht mit warmem Wasser versorgt werden. Die Folgen des Anschlags durch die Beeinträchtigung der Wärmeversorgung verschärften sich aufgrund einer Kältewelle in Berlin-Brandenburg.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler «Aufgrund von Stromausfall geschlossen» steht auf einem Schild vor einem Supermarkt nach dem Brandanschlag in Berlin am 3. Januar 2026.


In einer am 4. Januar 2026 unter anderem auf der linksextremistischen Internetplattform „de.indymedia“ veröffentlichten Taterklärung der „Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen“ bekannten sich anonyme Autoren zu dem Brandanschlag. Ziel des Angriffs sei die Unterbrechung der Stromversorgung des angrenzenden Heizkraftwerks in Berlin-Lichterfelde und „die fossile Energiewirtschaft“ gewesen. Das Kraftwerk in Berlin-Lichterfelde habe man „erfolgreich sabotiert“. Des Weiteren äußern die Autoren, dass der Angriff „gemeinwohlorientiert“, „gesellschaftlich sinnvoll“ und „ein Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen“ gewesen sei. In der Erklärung nehmen die Täter auch Bezug auf die linksextremistische Kampagne „Switch off“:

„Jeder Beitrag zählt. Aber alles in Reichweite unserer Möglichkeiten zu versuchen, dieser imperialen Lebensweise ein Ende zu setzen, das kann nicht falsch sein. (…) Switch off für die Gier nach Energie, Switch off für die digitale Verwaltung des Lebens, Switch off für den Fortschritt der Zerstörung.“

Die „Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen“ ruft in ihrer Erklärung zudem dazu auf, einen weltweiten „Widerstand“ aufzubauen:

„Auch wenn diese Sabotageakte hohe finanzielle Einbußen verursachen, können sie als einzelne (!) Aktionen keine politische Richtungsänderung erzwingen. Aber sie weisen einen Weg und eine Richtung auf (…). Legt die Infrastrukturen lahm, die dem ‚technologischen Angriff‘ dienen und der Zerstörung der Erde Vorschub leisten. (…) Und dies möglichst ohne Blut zu vergießen, aber entschlossen, den Herrschenden den Saft abzudrehen.“

Häufung von Brandanschlägen in und um München

In München und Umgebung kommt es seit einigen Jahren vermehrt zu Brandanschlägen mit teils sehr hohen Sachschäden, die sich meist gegen Baumaschinen, Fahrzeuge und KRITIS richten. Hervorzuheben ist ein Brandanschlag auf freigelegte Stromleitungen in der Nacht auf den 21. Mai 2021, in dessen Folge es zu massiven Auswirkungen auf die städtische Stromversorgung kam. Rund 20.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, teilweise länger als 24 Stunden. Im Bekennerschreiben vom 23. Mai 2021 gaben die anonymen Autoren an, dass der Anschlag primär einem in München ansässigen Elektronikunternehmen gegolten habe, welches unter anderem Mess- und Fernmeldetechnik für die zivile und militärische Luftfahrt produziert.

SvenSimon/picture alliance


Obwohl nicht zu allen Anschlägen Tatbekenntnisse veröffentlicht wurden, kommen die Täter wahrscheinlich aus der autonom-anarchistisch geprägten linksextremistischen Szene Münchens. Diese agitiert seit Jahren offen gegen den Ausbau technischer Infrastruktur, welche sie als Instrument der „Kontrolle“ und „Überwachung der Bevölkerung“ sowie als „Werkzeug des repressiven Staates“ ansieht. Zudem entsprechen Zielauswahl, Tatbegehung und die Tatmittel der üblichen Vorgehensweise gewaltbereiter Linksextremisten. Bei einzelnen Anschlägen kann eine andere Tatmotivation aber nicht völlig ausgeschlossen werden.

Kampagne „Switch off“

Bei „Switch off – the system of destruction“ (kurz „Switch off“) handelt es sich um eine seit Anfang 2023 bestehende Kampagne, die den im Linksextremismus immanenten „Antikapitalismus“ in vielfältiger Weise mit klimapolitischen Themen verknüpft. Jedes staatliche Handeln zur Lösung der Klimakrise wird abgelehnt. Vielmehr solle man „die Infrastruktur des Kapitalismus hinterfragen, sabotieren und nachhaltig angreifen“.

Die Aufnahme zeigt den Schriftzug „Switch off - The System of Destruction“ mit vermummten Personen im Hintergrund


„Was wir im Kampf gegen die Zerstörung der Natur und das resultierende soziale Elend brauchen, ist das gemeinsame Streben nach dem tatsächlichen revolutionären Bruch und der Freiheit aller. (…) Wir denken, dass militantes Handeln und direkter Angriff in allen möglichen Formen, dabei ein wichtiges Mittel – wenn auch bei Weitem nicht das einzige – ist.“
(Kampagnenwebsite „Switch off“, 1. Januar 2023)

Die Kampagne „Switch off“ hat zum einen das Ziel, zur Begehung von Straftaten zu animieren. Zum anderen bietet sie gewaltorientierten Linksextremisten die Möglichkeit, „Kämpfe in einen gemeinsamen Kontext zu setzen“ und diese so zu verbinden. Dadurch erreichen sie eine höhere Aufmerksamkeit für ihre Straftaten und Bekennerschreiben.

Seit Anfang 2023 wurde in zahlreichen Taterklärungen von Linksextremisten Bezug auf das Label „Switch off“ genommen. Auf ihrer Website werden über 100 Straftaten in Deutschland aufgelistet, darunter zwei Brandanschläge am 15. März 2024 gegen Baufahrzeuge eines Zementwerks in Berlin sowie am 24. Januar 2025 gegen Stromkabel der Deutschen Bahn AG in Düsseldorf. Bei letzterem kam es zu etlichen Störungen, Verspätungen und Zugausfällen auf der für den Güterverkehr genutzten Strecke. Weitere Bekennerschreiben beziehen sich auf Sachbeschädigungen und Brandanschläge insbesondere auf Funk- und Sendemasten, Baufahrzeuge, Autohäuser, Forstmaschinen sowie Kabelschächte. Die Summe der verursachten Schäden liegt in mehrstelliger Millionenhöhe.

Rolle des BfV

Das BfV kooperiert zur Aufklärung linksextremistischer Angriffe gegen KRITIS und Wirtschaftsunternehmen eng mit den Nachrichtendiensten des Bundes und der Länder, den Polizei- sowie Strafverfolgungsbehörden. Anfallende Informationen werden unter anderem im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) ausgetauscht. Auch die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ist von hoher Bedeutung.

Darüber hinaus erfüllt das BfV seinen gesetzlichen Präventionsauftrag (§ 16 Abs. 1 BVerfSchG) und sensibilisiert Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Politik und Verwaltung, damit diese sich effektiv und eigenverantwortlich schützen können. Der Präventionsbereich des BfV informiert unter anderem mit den „Sicherheitshinweisen für die Wirtschaft“ über aktuelle Erkenntnisse und Gefährdungen, die für Unternehmen relevant sind oder werden könnten. Dieses Format gibt einen Überblick über einzelne Aspekte aktueller Bedrohungen und formuliert mögliche Handlungsempfehlungen. Daneben beleuchten die „Informationsblätter zum Wirtschaftsschutz“ überblicksartig Themen, die für Unternehmen von dauerhafter Relevanz sind. Sie dienen als Handreichung zur Sensibilisierung von Beschäftigten und Leitungsebenen von Unternehmen. Veröffentlicht sind unter anderem Informationsblätter zum „Schutz vor Sabotage“ sowie zu „Extremismus als Gefahr für Wirtschaft und Wissenschaft“. Letzteres enthält einen 5-Punkte-Plan zu Schutzmaßnahmen und gibt potentiell gefährdeten Unternehmen und Einrichtungen eine Orientierung, wie sie ihre Resilienz erhöhen oder auf extremistische Handlungen reagieren können. Für konkrete Sicherheitsanfragen oder Verdachtsfälle steht Ihnen der Präventionsbereich als vertraulicher Ansprechpartner zur Verfügung: wirtschaftsschutz@bfv.bund.de, +49 30 18792 - 3322.